elkage.de
Suchbegriff eingeben:

Ausblühungen

Das von Bauherren und Architekten gewünschte und geplante optische Bild einer gemauerten Fassade wird häufig durch Ablagerung von Stoffen beeinträchtigt, die vorübergehende oder bleibende Verfärbungen in Teilbereichen oder ganzen Fassadenflächen hervorrufen. Die Herkunft der Stoffe oder Stoffverbindungen dieser Ablagerungen ist meist nicht einfach zu ermitteln, weil die am häufigsten auftretenden Verunreinigungssubstanzen in mehr oder weniger großen Anteilen in allen Rohstoffen der Baustoffe des Steine-und-Erden-Bereichs enthalten sind.

Ausgelöst werden Fassadenverunreinigungen der o.g. Art in der Regel durch Einwirkung von Wasser, die das Lösen und den Transport der Verunreinigungssubstanzen aus dem Mauerwerk an die Fassadenoberfläche ermöglichen. Grundsätzlich ist zwischen zwei Erscheinungsformen von »Ausblühungen« oder Verfärbungen zu unterscheiden. Neben den Ausblühungen, die auf bleibend wasserlösliche Verbindungen (allgemeiner Begriff »wasserlösliche Salze«) zurückzuführen sind, gibt es Ablagerungen - besonders farbige - die zwar nach dem gleichen Prinzip entstehen, aber an der Fassadenoberfläche schnell wasserunlöslich werden (metallische Verfärbung).

Ausblühungen nennt man die Bildung und Ablagerung kleiner, weißer Kristallkrusten auf dem Mauerwerk, die meist von alten Feuchtigkeitsflecken umgeben sind. Durch Wasser oder Feuchtigkeit werden die Salze gelöst und beim Trocknen an die Oberfläche befördert, wo sich feine Kristalle bilden. Ihre Ursache kann in den Binde- oder Frostschutzmitteln, im Mörtelsand, im Anmachwasser oder einer unsachgemäßen Lagerung von Baustoffen (Backsteinen, Sand etc.) liegen. Ebenso kann das Nichtabdecken fertiger Bauteile bei Niederschlägen oder durch Betonwasser zu Ausblühungen führen.

Leichtlösliche, salzartige Substanzen gehen durch Feuchtigkeitseinwirkung in Lösung und werden mit dem Wasser durch Kapillartransport an die Fassadenoberfläche befördert. Hier verdunstet das Wasser und die gelösten Salze kristallisieren zu den genannten Ausblühungen. Es ist zu untersuchen, ob die Ausblühungen aus dem verwendeten Steinmaterial oder dem Mörtel stammen. In der Regel sind diese Erscheinungen harmlos und verschwinden von selbst, wenn bestimmte chemische Vorgänge im Mauerwerk durch die Verbindung von Mauersteinen und Bindemitteln abgeschlossen sind. Solche Ausblühungen können trocken mit einer harten Wurzelbürste oder mit einem Entsäuerungsmittel (1:10 verdünnte Salzsäure oder ein chemisches Produkt wie z.B. Haushaltsspülmittel wie Pril) entfernt werden. Treten Ausblühungen immer wieder auf, muss ein Fachmann für Bausanierung eingeschaltet werden. Salzausblühungen sind auf Dauer nur durch Isolieren der Mauer oder Ersetzen der Steine zu beseitigen.

Bei den weiß in Erscheinung tretenden Ausblühungen handelt es sich am häufigsten um Sulfate der in fast allen Rohstoffen des Bau-Steine-Erden-Bereichs enthaltenen Elemente: Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium und Aluminium, seltener um Karbonate oder Chloride.

Soweit die Rohstoffe ohne Temperatureinwirkung oder sonstige Veränderungen direkt zur Verarbeitung gelangen, wie Naturstein, ungewaschener Kies und Sand, können die evtl. im Rohmaterial enthaltenen löslichen Verbindungen direkt Anlass zu Ausblühungen geben. Bei Ziegeln erfahren dagegen evtl. im Rohmaterial enthaltene lösliche Salze Umwandlungen. Sie werden überwiegend während des Brandes ausgetrieben oder in unlösliche bzw. schwerlösliche Verbindungen übergeführt.

Ungünstiger liegen die Verhältnisse bei den hydraulischen Mörtelbindemitteln (Zement - insbesondere Trasszement -, hydraulischer Kalk, hochhydraulischer Kalk, Putz und Mauerbinder). Sie enthalten praktisch alle infolge ihres Herstellungsverfahrens nennenswerte Anteile an leicht löslichen Alkalisulfaten, von denen je nach Saugfähigkeit der Steine ein kleinerer oder größerer Teil zunächst beim Mauern mit dem Mörtelanmachwasser in die Mauersteine aufgesogen wird. In größeren Umfang gelangen die Bindemittelsalze aber vor allem dann in die Steine, wenn im starken Maße Niederschlagswasser in das Mauerwerk eindringen kann.

Alle Baumängel, die Ursache von ständiger und lang anhaltender Durchfeuchtung sind - z.B. fehlende oder undichte Mauerabdeckungen, Anschlussrisse zu Betonflächen, "verbrannter", undichter Fugenmörtel, von großflächigen Betonflächen über Mauerwerk ablaufendes Wasser unda. - haben deshalb auf die Bildung von Ausblühungen größten Einfluss.

Von den Faktoren Wasserangebot, Porenaufbau der Baustoffe und Verdunstungsgeschwindigkeit wird nicht nur die Möglichkeit zum Auftreten von Ausblühungen überhaupt bestimmt, sondern werden auch jene Bereiche maßgeblich beeinflusst, in denen sie entstehen. Typische Stellen für das Auftreten von Ausblühungen sind z.B. die Ränder von Durchfeuchtungsflächen. Die am häufigsten auftretenden Ausblühungen von Alkalisulfaten, d.h. Gemische oder Doppelverbindungen von Kalium- oder Natriumsulfat sind leicht in Wasser löslich. Sie blühen als Folge der hohen Wasserlöslichkeit verhältnismäßig leicht und schnell aus, werden aber auch durch Witterungseinflüsse (Regen, Wind) schnell wieder gelöst und abgewaschen.

Dagegen ist das Kalziumsulfat (Gips) so wenig und so schwer löslich, dass es allein nur sehr selten Ausblühungen verursacht. Lediglich bei ungewöhnlicher Feuchteeinwirkung (massiver Durchfeuchtung) oder sehr großen Anteilen tritt auch Gips als Ausblühsalz auf. Kalziumsulfat reagiert im Baustellentest weder auf die Benetzung mit Wasser noch mit Säuren, Gipsausblühungen lassen sich deshalb weder mit Wasser noch mit Säuren wirksam entfernen. Als Reinigungsmethoden kommen daher nur Dampf- oder Sandstrahlen in Frage; wobei letzteres die Fassadenoberfläche angreifen und den optischen Eindruck verändern kann.

Einige der leicht löslichen Sulfate können, wenn sie in größerer Menge vorhanden sind, durch Volumenvergrößerung beim Aus- und Umkristallisieren Sprengschäden (Treibschäden) hervorrufen, die sich als Abmehlungen der Oberflächenschicht, in seltenen Fällen extrem hoher Gehalte und geringer Festigkeit der Steine auch als Gefügezerstörungen bemerkbar machen. Dazu neigen besonders Magnesiumsulfat und Natriumsulfat. Das letztere allerdings nur, wenn es in weitgehend reiner Form auftritt.

Die genaue Analyse von Ausblühsubstanzen und deren Herkunft lässt sich nur laborgemäß durch eine chemische Analyse vornehmen. Dabei ist die Feststellung der Herkunft nur über Baustoffproben (Steine, Mörtel) möglich, die noch nicht miteinander vermauert waren.

siehe auch:
- Algen
- Ausschwemmungen
- Gips
- Grünbildung
- Gründach
- Kapillarität
- Kletterpflanzen
- Mauersalpeter
- Moosbewuchs
- Mörtel
- Schlagregenschutz
- Zement