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Korbbogen

Bei einem »Korbbogen« handelt es sich um einen gedrückten Rund- oder Segmentbogen, d.h. um eine Aneinanderreihung mehrerer Eilinien. Der Name »Korbbogen« resultiert aus der korbähnlichen Form, wenn man ihn umdrehen würde. Den Korbbogen verwendete man sowohl beim Bau von Gebäuden als Tür- oder Fenstersturz als auch vielfach im Brückenbau.

Die mittelalterlichen Baumeister orientierten sich am römischen Vorbild und verwendeten den Halbkreisbogen. War eine größere Höhe notwendig, setzten sie ihn auf senkrechte Pfeiler - „Viadukte“ heißen solche Bogenbrücken in der Fachsprache. Doch schon im Spätmittelalter entstanden unter der Leitung einzelner genialer Baumeister Brücken mit flacheren Bogen. Diese »Segmentbogen« formen nicht einen Halbkreis, sondern nur etwa ein Achtel eines Kreises nach und wirken besonders elegant. Ein frühes Beispiel ist die durch das Kinderlied berühmte Brücke von Avignon, die 1188 eingeweiht wurde und ursprünglich mit 900 Meter Länge die Rhone überspannte. Einst hatte sie 22 Bogen mit der erstaunlich großen Spannweite von je 33 Metern. Heute stehen nur noch vier, die anderen fielen Treibeis und Kriegseinwirkungen zum Opfer. Ein Pfeiler trägt die Brückenkapelle, die dem Erbauer Bénézet geweiht ist.

Die mittelalterlichen Baumeister konnten sich ebenso wie die römischen nur auf ihre Erfahrung verlassen und ahmten vielfach bewährte Vorbilder nach. Erst in der Renaissancezeit, die im 15. Jahrhundert in Italien einsetzte, begann der Brückenbau auf wissenschaftlicher Grundlage. Die Gelehrten studierten die Überlieferungen der Araber, Griechen und Römer und ergänzten die Erkenntnisse der Antike durch eigene Experimente.

So sammelte und veröffentlichte der Architekt Leon Battista Alberti (1404-1472), auf der Grundlage der zehn Büches des Vitruv, das architektonische Wissen seiner Zeit und gab einfache Faustregeln und Zahlenverhältnisse für Spannweite, Bogenhöhe, Pfeilerbreite und andere Kennzeichen einer Brücke an. Der Universalgelehrte und sicherlich das größte Genie der Menschheitsgeschichte Leonardo da Vinci (1452-1519) studierte in kleinen Holzrinnen mit Glaswänden die Wirbelbildung des Wassers und ihre Wirkung auf Brückenpfeiler.Er plante sogar eine Brücke über das Goldene Horn am Bosporus, die mit einem einzigen gewaltigen Segmentbogen von 250 Meter Spannweite Konstantinopel und Pera (heute beide Istanbul) verbinden sollte. Leider erschien dieses Vorhaben seinen Zeitgenossen zu kühn; heute haben Berechnungen ergeben, dass er es mit den damaligen Mitteln ohne weiteres hätte durchführen können.

Aber Leonardo hielt seine Versuchsergebnisse geheim, sodass sie anderen Brückenbauern keinen Nutzen brachten. Erst einige Jahrzehnte später begründete Galileo Galilei (1564-1642) die Mechanik. Er war der erste, der Spannungen und Kräfte in einem Bauwerk zu berechnen versuchte. Spätere Gelehrte studierten seine Bücher und verbesserten seine Methoden - diese Entwicklung ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

siehe auch:
- Bogenbezeichnungen
- Brooklyn Bridge
- Brückenbau der Antike
- Elliptischer Bogen
- Falsches Gewölbe
- Gewölbe
- Göltzschtalbrücke
- Golden Gate Bridge
- Hängebrücke
- Leonardo da Vinci
- Scheitel
- Scheitrechter Bogen
- Schildbogen
- Tonnengewölbe
- Vitruv