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Architekt

»Architekt« (griechisch = »Baumeister«) ist heute die allgemeine Berufsbezeichnung für den Entwerfer, Gestalter und Bauleiter von Bauwerken nach den »Regeln der Baukunst«. Dank seiner Ausbildung an einer technischen Universität (TU), technischen Hochschule (TH) oder einer Fachhochschule (FH) und/oder entsprechender Praxis ist er neben bzw. in enger Zusammenarbeit mit dem Bauingenieur in der Lage, die Wünsche eines Bauherrn vom Entwurf über die Projektierung, Planung und Ausführung bis zur Vollendung des Bauwerkes zu realisieren. Der Architekt wird oft auch als »Treuhänder des Bauherrn« bezeichnet.

Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen ist auch bei den Architekten eine Spezialisierung erforderlich. Es werden unterschieden:

Landschaftsarchitekt, der im Bereich der Grünplanung von Außenanlagen tätig ist,
Gartenarchitekt,
• Innenarchitekt, der für die Gestaltung von Innenräumen einschließlich der Möblierung zuständig ist,
• Stadtplaner, der vorwiegend die städtebauliche Bauleitplanung durchführt und den
• (Hochbau-) Architekt, der überwiegend in Entwurf, Planung und Bauleitung von Hochbauten aller Art tätig ist.

Die berufliche Tätigkeit des Architekten besteht im Wesentlichen in der gedanklichen Konzipierung eines funktionell begründeten, technisch und wirtschaftlich realisierbaren Entwurfs als Einheit materieller und ideeller Aneignung der Wirklichkeit und in der Leitung seiner Realisation. Dabei können bzw. sollen dem architektonischen Entwurf visuell-ästhetische Qualitäten zugrunde gelegt werden, außerdem muss der Entwurf die Bedürfnisse des zukünftigen Nutzers berücksichtigen (Raumprogramm, Funktionalität). Bevor der erste Entwurf entstehen kann, müssen in Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr die Randbedingungen hinsichtlich der zukünftigen Nutzung, der ästhetischen Vorstellungen und des möglichen Kostenrahmens geklärt werden, wobei dieser Prozess durchaus auch mehrfach durchlaufen wird. Nur in seltenen Ausnahmefällen wird ein Bauwerk nur nach ausschließlich ästhetischen Aspekten realisiert werden, da mit jedem Bauwerk auch eine bestimmte Funktion verbunden ist. Das erfordert (wie in sonst keinem anderen Beruf) die Fähigkeit, Ansprüche, technische und baurechtliche Bedingungen, Ideen und Schönheitsvorstellungen seiner Zeit ganzheitlich in einen architektonischen Entwurf umzusetzen, und dabei muss auch noch der Kostenrahmen berücksichtigt werden.

Der Architekt ist gleichzeitig der Sachwalter des Bauherrn und verantwortlich für die Zusammenarbeit mit anderen Fachplanern, die bei der zunehmenden Komplexität des modernen Bauens immer unverzichtbarer werden. Dies sind:

• Tragwerksplaner (Statiker),
Baugrundsachverständiger / Geotechniker,
• Vermessungsingenieure,
• ggf. Landschaftsplaner,
• ggf. Innenarchitekten,
• HLS-Planer (HLS = Heizung, Lüftung, Sanitär), ggf. zusätzlich Klimaanlagenplaner,
• Elektroplaner,
• ggf. Spezialisten für Aufzüge und/oder Rolltreppen,
• Brandschutzplaner / Feuerwehr / Barndschutzdienststelle der Bauaufsicht,
• ggf. Baurechtler (bei komplexeren Projekten),
• Projektsteuerer (bei größeren Projekten),
SiGeKo (Sicherheits- und Gesundheitsschutz),
Prüfingenieur für Baustatik (bei prüfpflichtigen Bauvorhaben),
• ggf. (ö.b.u.v.) Sachverständiger für Durchführung Beweissicherungsverfahren (bei Grenz- und Nachbarbebauung),
• ggf. Fachplaner für Spezialtiefbau (bei komplizierten Gründungen oder tiefen Baugruben),
• ggf. Wasserbauingenieur (bei Planungen im Bereich von Grundwasser- oder Trinkwassereinzugsgebieten),
• ggf. Künstler (bei größeren Projekten),
••und ggf. weitere Fachleute.

Aufgabe des Architekten ist es, seinen Entwurf so vorzutragen und darzustellen, dass insbesondere der Auftraggeber, aber auch alle anderen am Bau Beteiligten das Konzept einwandfrei beurteilen und die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen abschätzen können.

Architektur entsteht fast ausschließlich in einem arbeitsteiligen Prozess, der durch das Zusammenwirken von Bauherrn, Architekt, Fachplanern und Bauausführenden unter konkreten gesellschaftlichen Bedingungen bestimmt wird. Besonders in den früheren Epochen waren Konflikte zwischen Bauherren und Architekten häufig.

Spezielle Tätigkeit und auch erste Namen von Architekten sind mit der Entfaltung der repräsentativen, vor allem kulturellen Architektur der ersten Hochkulturen verbunden. Meist stammten sie aus der herrschenden Schicht bzw. waren mit ihr verbunden, z.B. Imhotep (um 2650/2600 v.Chr., Baumeister der Stufenpyramide von Sakkara) als Architekt der 3. ägyptischen Dynastie. Architekten der griechischen Antike waren bereits unterschiedlicher sozialer Herkunft, auch sind Architekten-Bildhauer bekannt, z.B. Skopas (griechischer Bildhauer, und Marmorbildner, 4. Jh. v.Chr.). In der Antike gehörten alle die Tätigkeiten zu den Aufgaben des Architekten, die durch Zusammenfügen einzelner Teile nach den Gesetzen der Mechanik zu kulturellen und praktisch-nützlichen Gebilden führten (Tempel, Befestigungen, Wasserbauten, Maschinen, Sonnenuhren usw.). Dieses universelle Verständnis der Arbeit des Architekten gilt auch für andere Epochen, z.B. die Entwürfe von Schinkel (deutscher Baumeister und Maler, 1781-1841) für Gebrauchsgegenstände aller Art.

Die klassische Auffassung vom Beruf des Architekten findet sich in Vitruvs „de architectura libri decem“. In Anbetracht der Beschränkung der Bildung im Früh- und z.T. noch Hochmittelalter auf wenige Bevorrechtigte wurde vor allem die funktionell konzipierende Tätigkeit des Architekten von Vertretern des hohen Klerus (architectus, pawere), die konstruktiv-gestalterische zunächst vor allem von entsprechend ausgebildeten Mönchen, dann zunehmend von Laienbaumeistern (magister operis, Werkmeister, archilapicida) ausgeübt. Bereits für das 10. und 11. Jh. sind Namen überregional bedeutender Architekten belegt, entweder aus Klöstern stammend (z.B. Magister Odo von Metz in Aachen) oder aus kirchlichen bzw. höfischen Verwaltungsfunktionen. Einige Architekten begannen auch als Unternehmer aufzutreten. In Italien gab es z.T. schon im 12. Jh. beamtete Stadtarchitekten, in Frankreich vermutlich ab der Mitte des 13. Jh. Gleichzeitig gab es zuerst in England, dann in Frankreich das Amt eines höfischen Architekten. Zusammen mit dem Hüttenmeister verweisen sie alle auf einen entsprechend sich differenzierenden sozialen Status, der spezialisierte und hoch entwickelte Kenntnisse und Fähigkeiten voraussetzt. Dazu kamen im 13. Jh. in ständig größerer Zahl die sich aus den Zünften des Maurer-, Steinmetz- und Zimmererhandwerks herauskristallisierenden Architekten. Nachrichten über Bauherren als Architekten sind dagegen seit der römischen Antike vermutlich nur Beleg des Herrscherlobes.

Die Befreiung der Architekten von der Zunft, seine Wertung als individueller Künstler und damit die endgültige Überwindung mittelalterlicher Regelhaftigkeit durch die Architektur als „Wissenschaft“, die Verselbständigung des Entwurfs gegenüber der Ausführung vollzogen sich seit dem 14./15. Jh. zuerst in Italien. Der Architekt in der Renaissance war häufig universeller Künstler und Unternehmer zugleich. Im Schaffen des Architekten ist für diese Zeit der Übergang von der geometrischen Schlüsselfigur und Bauzeichnung des Mittelalters (seit dem 13. Jh.) zum Modell und zur perspektivischen Darstellung charakteristisch. Mit der Ausbildung des Absolutismus seit dem 16. Jh. begann die Festigung des Status des Hofarchitekten und die wachsende Bedeutung von Hof- oder Landesbauämtern, die zunehmend das gesamte Baugeschehen eines Territoriums zu beeinflussen begannen. Einige Architekten des ausgehenden Mittelalters waren auch Universalbegabungen, wie z.B. der italienische Baumeister, Bildhauer und Maler Giovanni Lorenzo Bernini (1598-1680).

Eine neue Rolle begannen Architekten zu spielen, die aus dem Militärwesen (nicht nur dem Wehrbau) hervorgingen, wie z.B. der Architekt und Ingenieur Johann Balthasar Neumann (1687-1753), der über lange Jahre in Würzburg wirkte. Angehörige des niederen Adels sicherten sich häufig nach entsprechender Ausbildung und Studienreisen einträgliche Positionen an den Höfen als Kavalierarchitekt. Daneben bildeten die Baugewerke (Maurer, Steinmetze, Stukkateure und Zimmerleute) nach wie vor ein unerschöpfliches Reservoir. In der Volksbauweise sind einzelne Architekten bis dahin kaum überliefert, da Handwerksmeister gleichzeitig Planende als auch Ausführende waren, aber auch der Bauherr diese Funktionen selbst übernahm. Gerade in ländlichen Regionen war eine Mitarbeit in Form der Nachbarschaftshilfe durchaus als Standard zu bezeichnen.

Ende des 18. Jh. hat sich, vermutlich durch Merkantilsystem und industrielle Revolution, der Arbeitsbereich der Architekten von dem der Ingenieure fast getrennt. Es bildeten sich die freischaffenden Architekten (Privat-Architekten). Um ihre Dienstleistungen auf dem nun entstandenen Markt erfolgreich anbieten zu können und um die traditionelle Konkurrenz des planenden Bauunternehmers abzuwehren, das Sozialprestige der Architekten zu festigen, ihre Integrität als Treuhänder des Bauherrn und ihre Kompetenz als Fachmann zu sichern, bildeten die Architekten eigene Berufsverbände: Institute of British Architects (ältester, von 1834), ähnlich umfassende Vereinigungen in Frankreich 1840, den USA 1857, in Deutschland erst 1903 Gründung des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und regionale Organisationen. Seit dem 17. Jh. gab es eine Ausbildung von Architekten an den Kunstakademien. An der Wende zum 19. Jh. begann sich auch die Ausbildung von Architekt und Ingenieur voneinander abzutrennen.

Für die Ausbildung des künstlerischen Architekten in Europa war lange Zeit die 1819 gegründete Architektenklasse der Pariser Éole des Beaux-Arts beispielgebend. Die Pariser École polytechnique (seit 1794) und die 1798 gegründete Berliner Bauakademie waren Vorläufer von Einrichtungen, die die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen und die vielfältigen praktischen Aufgaben angehenden Ingenieuren vermittelten. Diese Bildungseinrichtungen wurden rasch zu Vorbildern für weitere Polytechnika bzw. schließlich die Technischen Hochschulen (Berlin 1879).

Einhergehend mit der zunehmenden industriellen Produktion und dem schnellen Wachstum der Städte erweiterte sich die soziale Wirksamkeit der Architekten durch neue Aufgaben in der Stadt- und Landschaftsplanung, im Massenwohnungsbau, im Bau gesellschaftlicher Einrichtungen und Verkehrsanlagen. Fortschrittliche Architekten begriffen ihr Schaffen immer mehr im Zusammenhang mit sozialen Fragen, betrachteten schließlich nach dem Vorbild der Utopisten Architektur als Mittel, die kapitalistische Gesellschaft menschlicher zu machen (z.B. Le Corbusier). Komplizierter werdende funktionelle Ansprüche, neue konstruktive Möglichkeiten, rationelle Technologien, Finanzierungsbedingungen und straffe Terminplanung förderten die Entwicklung einer Städtebau- und Architekturwissenschaft. Großen Anteil an ihrer Verbreitung hatten die seit Anfang des 19. Jh. erscheinenden Zeitschriften der Architekten- und Ingenieurvereine.

Der Seit Mitte des 19. Jh. steigende Bedarf, gute Einkünfte und hohes gesellschaftliches Ansehen machten den Beruf des freischaffenden Architekten zu einem begehrten Studienziel. Die Mehrzahl der Architekten arbeitete allein oder mit nur wenigen Angestellten in Büros geringer Leistungsfähigkeit. Die Differenzierung der Bauaufgaben und der technischen Möglichkeiten führten um 1900 zu Reformvorschlägen der Architektenausbildung (Meisterateliers; Städtebauseminar an der TH Dresden), besonders um den überholten Historismus zu überwinden. Vor allem waren auch die Konflikte zwischen Baubeamten, Bauunternehmern und den Privatarchitekten angewachsen. Dabei wuchs der Komplexität der städtischen Bauaufgabe die Rolle kommunaler Planungsorgane und damit beamteter Architekten auch in hoch entwickelten Ländern kontinuierlich an.

Dem Aufschwung der Technik in den 60er Jahren in den Industrieländern entsprach das rasche Vordringen der Generalunternehmer und Fertigbaufirmen und die Erweiterung der Baubehörden, die mit Hilfe computergesteuerter Planungen und den Einsatz von Organisationsprogrammen eine höhere Effektivität als das Ein-Mann-Büro erreichten. Es entwickelte sich eine Vielzahl von Formen des organisatorischen Zusammenschlusses (z.B. Skidmore, Owings & Merrill), teils auf eine begrenzte Zahl von Mitarbeitern gestützt, teils großer hocharbeitsteiliger Institutionen (The Architect´s Collaborative mit Walter Gropius). Dieser Prozess ist bis zum heutigen Tage noch nicht abgeschlossen, durch die technischen Möglichkeiten (Datenübertragung per Internet) können Architekten heute international tätig werden und komplexe Bauaufgaben in Kooperation mit anderen Architekten und Fachplanern gemeinsam umsetzen.

siehe auch:
- Alptraum
- Bauleiter
- Bauingenieur
- Baumeister
- Bauschadensskulptur
- Berufsverband
- GU
- Ingenieur
- Oberbauleiter
- Projektsteuerung
- QS
- Tragwerksplanung
- Vier-Augen-Prinzip
- Vitruv
- Zunft