elkage.de
Suchbegriff eingeben:

Kreide

Kreide heißen die in der Kreidezeit aus den Schalen von Kleinstlebewesen gebildeten weißen Kalke, die im Gegensatz zum Kalkstein stark abfärben und daher als Pigmente verwendet werden. Die bekannteste Anwendung ist die Schulkreide, die wohl jeder in seinem Leben zur Genüge gesehen hat. Kreidevorkommen finden sich in Rügen (Kreidefelsen, vgl. Abbildung), in Jütland (Dänemark) oder in der Champagne in Frankreich. Kreide wird zur Herstellung von Malkreide und als weißes Pigment in Farben (Dispersionsfarbe) verwendet. Kreide kann in unterschiedlichen Qualitäten gewonnen bzw. mit Zusätzen versehen auch als Ölkreide, Tafelkreide, Wachsmalkreide, Pastellkreide und ähnliches eingesetzt werden.

 

Im Baubereich verwendet man Kreide (meist Tafelkreide) zum Markieren von Leitungen oder Rohren, von Bohrlöchern oder Durchbrüchen usw., da diese Kreide in der Regel leicht wieder abgewaschen oder abgewischt werden kann und so im Gegensatz zu Malfarben oder lösemittelhaltigen Markierungssprays keine sichtbaren Rückstände hinterlässt. Kreide kann auch zum Schleifen bzw. Polieren von empfindlichen Oberflächen verwendet werden, wobei die Kreide mit Wasser zu Schlämme verdünnt wird.

 

Kreide ist wie Sandstein ein Sedimentgestein, allerdings aus weißem bis hellgrauem Kalk bestehend, wobei Kreide jedoch deutlich weniger kompakt und damit weniger verdichtet ist als eben Kalkstein. Dies ist auch der Grund dafür, dass sowohl Tafelkreide als auch die anderen Kreiden mit dem Daumennagel geritzt werden können. Großtechnisch wird Kreide durch den Abbau natürlicher Lagerstätten mittels Sprengungen und/oder Baggern gewonnen.

 

Die bekannten Kreidefelsen von Rügen sind ein beeindruckendes Motiv für zahlreiche Fotografen, diese dienten aber auch vielen Künstlern als Vorlage für Bilder und Gemälde. Das wohl bekannteste Ölgemälde stammt aus der Feder von Caspar David Friedrich, der die Kreidefelsen um 1818 gemalt hat, wobei aber die dort noch sichtbaren Klinken heute nicht mehr vorhanden sind, sodass der genaue Standpunkt, von wo aus er diese Kreidefelsen gemalt hat, nicht mehr genau lokalisiert werden kann. Gerade am Königsstuhl, einer heute in den Sommermonaten von zahlreichen Touristen sehr stark besuchten Aussichtsplattform oberhalb dieser bekannten Rügenschen Kreidefelsen, brechen immer wieder Teile der Kreidefelsen ab, so auch die Wissower Klinken, die im August 2005 durch natürliche Erosion in die Ostsee abgerutscht sind und das Aussehen an dieser Stelle deutlich verändert haben.

 

Die Kreidefelsen von Rügen sollen gemäß den im Nationalparkzentrum Königsstuhl gegebenen Hinweisen vor etwa 60 bis 70 Millionen Jahren entstanden sein. Seit jeher sind die heute weltbekannten Kreidefelsen rund um den Kaiserstuhl auch Gegenstand von Sagen und Legenden. So heißt es, dass nur derjenige, der die immerhin 118 m hohen Klippen an der Steilküste ohne technische Hilfsmittel erklimmen konnte, auch die Königswürde erlangen konnte. Diese Zeiten sind lange vorbei, führt heute doch ein steiler Treppenweg vom Strand bis zum oberen Königsstuhlplateau hinauf.

 

Kreide wurde und wird nicht nur in technischen Bereichen eingesetzt, sondern auch als Heilmittel und auch im Wellnessbereich, und zwar schon zu einer Zeit, als es das Wort Wellness noch gar nicht gab. Richtig dosiert, kann Kreide gesundheitsfördernde Wirkungen entfalten (dies gilt wohl für alle anderen Heilmittel in gleicher Form). Kreide kann beispielsweise in Form von Heilkreidekuren bei Gelenkentzündungen wie Rheuma und zur Linderung von Hautkrankheiten angewendet werden. Diese auf Rügen über einige Jahrzehnte angewendeten Kreidekuren kamen allerdings in den 1960er Jahren zum Erliegen, hat Kreide doch die unangenehme Eigenschaft, Rohrleitungen zu verstopfen, da sich diese an den Wandungen krustenartig ablagert. Zu jener Zeit gab es noch keine Möglichkeit, dies zu verhindern, heute sind jedoch technische Verfahren verfügbar, um diese Kreideablagerungen zu vermeiden.

 

Auf Rügen befindet sich heute das einzige Kreidemuseum der Welt, welches in den restaurierten Hallen des 1962 stillgelegten Kreidewerks von Gummanz eingerichtet worden ist. Dort kann der Besucher erfahren, dass die hier vorhandenen Kreidevorkommen aus den winzigen Kalkresten ungezählter kleiner Lebewesen entstanden ist, und zwar Schicht um Schicht im Laufe von Jahrmillionen abgelagert. Auch einen Film kann man sich dort ansehen, der zeigt, wie mühevoll einst die Arbeit war, um die Kreide abzubauen. Im heutigen Ostseebad Sassnitz (bekannt durch die eindrucksvolle Seebrücke) entstand im Jahre 1845 die erste Kreideschlämmerei, die ein Vorläufer für die Rügensche Kreideindustrie war. Von den in den Hochzeiten des Kreideabbaus genutzten 40 Kreidebrüchen ist heute nur noch ein einziger in Betrieb, und zwar der in Klementelvitz. Die dort gewonnene Kreide wird heute überwiegend in großtechnischen Anlagen eingesetzt, und zwar zur Rauchgasentschwefelung in Kohlekraftwerken, aber auch zur Entsäuerung von Böden oder als Filtermaterial in großen Filteranlagen.

 

Im Kreidemuseum können nicht nur geschichtliche Fakten in Erfahrung gebracht werden, auch Fossilienfreunde kommen hier auf ihre Kosten. In den Kreidebrüchen von Rügen wurden im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Versteinerungen aus den dort gewonnen Kreideschlämmen herausgefischt, aber auch schwarze Feuersteine sind hier in großen Mengen gefunden worden. Diese wurden im Laufe der langen Kreide-Entstehungsgeschichte in mehreren Schichten abgelagert. Zwischen den Jahren 1827 und 1939 wurden bei Grabungen beim kleinen Ort Lietzow etwa 20.000 Feuersteine gefunden, die in der Jungsteinzeit von den damaligen Inselbewohnern gewonnen und bearbeitet wurden. Vor etwa 5000 Jahren befand sich hier offensichtlich eine erste industrieähnliche Produktionsstätte für Beile, Messer, Faustkeile, Schaber sowie Pfeil- und Langspitzen, von wo sie im Tausch gegen andere Güter auch auf das Festland geliefert wurden. Dank der Kreidevorkommen von Rügen können heute somit auch die technischen Entwicklungen aus der Jungsteinzeit bewundert werden.

 

siehe auch: