Der Begriff »Abbinden« hat im Bauwesen zwei grundverschiedene Bedeutungen:
• Im Holzbau:
Vorbereiten und zuschneiden einer Holzkonstruktion (z.B. Dachbalkenkonstruktion einer Gaube bzw. des ganzen Dachstuhls) auf dem Bauhof der Zimmerei (Zimmerplatz oder Abbundhalle) für den späteren Transport und den Einbau auf der Baustelle. Dieser Vorgang wird als Abbund bezeichnet, worunter man die zimmermannsmäßige Bearbeitung von Bauschnitthölzern (seltener Baurundhölzern) versteht. Der Begriff „Abbund“ umfasst sämtliche Arbeitsgänge vom Aufreißen bis zur Herstellung des einbaufähigen Zustands der einzelnen Hölzer eines Holzbauwerkes. Die häufigsten Arbeitsgänge sind das Schneiden der Einzelteile auf die erforderliche Länge (= Ablängen) und das Einarbeiten der Holzverbindungen (z.B. Holzverbände).
Beim handwerklichen (praktischen) Abbund wird auf dem Reißboden (Schnürboden) die Holzkonstruktion in natürlicher Größe aufgezeichnet (= aufgerissen), um die genauen Längen und Anschnitte der einzelnen Hölzer zu bestimmen. Beim rechnerischen Abbund werden diese geometrisch berechnet, was heute mit ausgereiften Computerprogrammen wesentlich komfortabler und schneller vonstatten geht. Beim maschinellen Abbund unter Verwendung von Abbundmaschinen in Abbundstraßen kann bei geeigneter Kombination und Anordnung der Maschinen einschließlich Führungs- und Ablängevorrichtungen das Aufreißen der Einzelteile oft entfallen. Im Gegensatz zur Zulage, wo die Hölzer zum Abbund einbaugetreu ausgelegt werden, bezeichnet man die zuvor angegebenen Abbundmethoden auch als „Abbund nach Maß“.
• In der Beton- und Mörtelherstellung:
Ein chemischer Vorgang beim Übergang vom plastisch-feuchten in den erstarrten Zustand. Aber auch die Verfestigung einer Klebschicht zwischen zu verklebenden Fügeteilen (z.B. zwei Holzbalken) wird als Abbinden bezeichnet. Das Abbinden beruht entweder auf physikalischen oder chemischen Vorgängen:
Physikalisches Abbinden erfolgt als reine Sol-Gel-Umwandlung, u.a. durch Abwandern von Dispersions- oder Lösungsmitteln oder durch Abkühlung; physikalisch abbindende Klebestoffe sind z.B. Glutinleime, Cellulosederivate, Bitumenkleber, Schmelzklebstoffe und die meisten Polymerisate.
Zu den chemischen Abbindevorgängen, die auch als Härtung, Aushärtung oder Vernetzung bezeichnet werden, gehören Koagulation (Gerinnung), Polykondensation und Polyaddition. Rein chemische Reaktionen spielen sich bei den Polyurethanklebstoffen ab. Bei vielen Klebstoffen laufen chemische und physikalische Vorgänge in zeitlicher Abstimmung nebeneinander, wie bei Harnstoff, Melamin-, Phenol-, Resorcin- und Formaldehydharzen sowie bei Kasein- und Blutalbuminleimen. Chemisch abbindende Klebstoffe werden auch unter dem Sammelbegriff Reaktionsklebstoffe zusammengefasst.
siehe auch:
- Abbund
- Beton
- HE-Anker
- Falz
- Kerve
- Knagge
- Konsistenz
- Verblattung
- Winkelverbinder