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Versicherungs-Check für Bauherren

Wenn sich Familien ihren Traum vom Eigenheim erfüllen, haben sie sich für eine große Investition für die Zukunft entschieden. Wer wagt, kann bekanntlich viel gewinnen - und auch schnell wieder verlieren! Doch das wertvolle Gut muss auch rundum abgesichert werden - und zwar schon während der Bauzeit.

Die Baugrube ist nicht ausreichend gekennzeichnet oder abgesichert, Gehwege werden von schweren Lastern verschmutzt oder scharfkantige Materialien liegen herum. Gefahren lauern auf Baustellen überall. Bei Unfällen könnte es für den Bauherrn ein böses Erwachen geben. So deckt etwa die Haftpflichtversicherung nur die Risiken bei kleineren Bauvorhaben ab. Pflichtprogramm bei einem Hausbau ist daher eine spezielle Bauherren-Haftpflicht, die vor den unabsehbaren finanziellen Folgen schützt, wenn Dritte zu Schaden kommen. Die Versicherung kostet je nach Tarif etwa 50 Euro pro 50000 Euro Bausumme (also ca. 1 v.T.). In jedem Falle sollten Sie eine entsprechende Bauherren-Haftpflichtversicherung rechtzeitig vor Baubeginn abschließen.

Mit der Haftpflicht allein hat der Bauherr allerdings kein »Rundum-Sorglospaket« erworben. Werden beispielsweise bereits installierte Rohre entwendet, randalieren Unbekannte im Rohbau oder zerstört ein Unwetter das frisch gedeckte Dach, tritt wiederum eine spezielle Police, die Bauleistungsversicherung, ein. Und wenn der Rohbau einer Feuersbrunst zum Opfer fällt? Vorsorglich sollten Bauherren schon vor dem ersten Spatenstich auf der Baustelle eine Gebäudepolice abgeschlossen haben - und die umfasst in der Regel eine Rohbau-Feuerversicherung. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus ist die Wohngebäudeversicherung ab ca. 200 Euro zu haben. Vor Abschluss von Bauversicherungen gilt: Tarife vergleichen! Denn bei gleichem Leistungsumfang gibt es große Unterschiede in der Preisgestaltung der Versicherer. Der systematische Vergleich muss auf die Bauhelfer-Unfallversicherung ausgedehnt werden, falls Bauherren selber mit anpacken wollen. Zwar sind tatkräftige Freunde, Verwandte oder Nachbarn sogar gesetzlich versichert, falls sie nicht pflichtgemäß bei der Berufsgenossenschaft gemeldet wurden, aber die sichert nicht die Bauherren selber ab. Dazu ist eine private Unfallversicherung unerlässlich.

In Zeiten des knappen Geldes sind Bauerren oftmals dazu genötigt, viele Arbeiten in Eigenleistung zu erbringen, aber auch Freunde und Verwandte springen oftmals als Bauhelfer ein. Deshalb ist es unbedingt wichtig, dass diese privaten Helfer bei der Berufsgenossenschaft angemeldet werden. Ein Baustellenunfall kann schnell zu schweren finanziellen Belastungen für den Bauherrn führen, insbesondere dann, wenn Helfer zu Schaden kommen oder gar der Todesfall eintritt. Die Berufsgenossenschaft muss daher in jedem Falle eingeschaltet werden. Schätzungen gehen davon aus, dass auf mindestens jeder dritten Baustelle private Helfer tätig sind. Dabei handelt es sich oftmals um Baulaien, die nicht immer das ausreichende Gespür für die auf dem Bau lauernden Gefahren haben. Der Bauherr ist gesetzlich dazu verpflichtet, private Bauhelfer bei der Berufsgenossenschaft anzumelden. Von dieser Verplichtung ist der Bauherr nur dann befreit, wenn alle privaten Bauhelfer zusammen nicht mehr als 40 Stunden auf dem Bau arbeiten oder wenn lediglich kurzfristige Gefälligkeitsleistungen von Freunden und Verwandten erbracht werden. Doch diese Grenzen sind dehn- und interpretierbar. Die Berufsgenossenschaft (BG Bau, www.bgbau.de) berät den Bauherrn in diesen Fragen.

Ist es zu einem Baustellenunfall mit Verletzungsfolgen gekommen, kann es schnell sehr teuer werden. Bei langwierigen Behandlungen oder gar bleibenden körperlichen Schäden (z.B. Querschnittslähmung) wird die Finanzkraft des Bauherrn in der Regel schnell und deutlich überstiegen. Es sind Fälle dokumentiert, die einige Hunderttausend Euro Kosten allein in den ersten zweiJahren nach einem schweren Baustellenunfall verursacht haben. Die fälligen Beiträge zur Berufsgenossenschaft sind dagegen „Peanuts“. Diese »Helfer-Versicherung« kostet je nach Region momentan (Stand Juni 2007) zwischen 1,40 Euro und 1,87 Euro je geleisteter Arbeitsstunde und je privatem Bauhelfer. Mit diesen Beiträgen sind nicht nur die direkten Baustellenunfallfolgen abgesichert, sondern auch die Wegunfälle, die Kosten für die Wiederherstellung der Gesundheit und im Extremfall auch die Rente, wenn einer der privaten Bauhelfer aufgrund eines Baustellenunfalls erwerbsunfähig werden sollte.

Die Berufsgenossenschaft fordert nicht nur Beiträge, sie wird auch präventiv tätig. Mit der Anmeldung der privaten Bauhelfer hat der Bauherr einen Anspruch auf eine umfassende Beratung in Bezug auf die einzuhaltenden Unfallverhütungsvorschriften oder auch die erforderliche persönliche Schutzausrüstung der Bauhelfer. Da die Grenze zwischen Freundschaftsdienst und Scharzarbeit schnell überschritten werden kann, ist die Berufsgenossenschaft auch in dieser Frage beratend tätig und gibt dem Bauherrn Hinweise, was zu beachten ist, um Schwarzarbeit zu vermeiden.

Aber nicht nur gegen mit den Bauarbeiten verbundene Gefahren müssen sich Häuslebauer vor dem Sprung ins eigene Heim absichern. Von fundamentaler Bedeutung insbesondere bei Hausbau und -kauf ist der Abschluss einer Risikolebensversicherung und einer Berufsunfähigkeitsversicherung für den Hauptverdiener - damit das Haus auch bei schwerer Krankheit oder im Trauerfall Eigentum der Familie bleibt.

siehe auch:
- Bauherrenhaftpflicht
- Bauleistungsversicherung
- Baumurks
- Baustopp
- Elementarschutzversicherung
- Haftpflichtversicherung
- Obliegenheitsverletzung
- Schwarzarbeit
- Unwissenheit
- UVV
- Verkehrssicherungspflicht
- Versicherungen
- Vertrauensschaden