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Linoleum

»Linoleum« ist ein ökologischer Bodenbelag aus nachwachsenden und natürlichen Rohstoffen. Seit seiner Erfindung hat sich an der Rezeptur von Linoleum kaum etwas geändert. Aus dem Samen der Flachspflanze (lateinisch »Linum«) wird Öl (lateinisch »Oleum«) gewonnen. Das Wort Linoleum stammt also vom lateinischen Ausdruck für Leinöl: »linum oleum«. Leinöl ist ein trockenes Öl. Es härtet an der Luft aus und bildet einen gleichmäßigen Film. Gemeinsam mit Naturharzen und einem Anteil von etwa einem Drittel Korkmehl, einem Drittel Kreide und mineralischen Stoffen ergibt die Masse, auf einem Geflecht aus Jutefasern aufgebracht, die Auslegware Linoleum.

Die Erfindung begann mit einem Ärgernis. Irgendein unachtsamer Mensch hatte es versäumt, Mr. Frederick Edward Waltons Topf mit Ölfarbe vorschriftsmäßig mit einem Deckel zu verschließen. Und als Mr. Walton, ein englischer Erfinder (der 88 britische Patente angemeldet hat) in einem Anfall von Arbeitswut den Pinsel schwingen wollte, sah er sich außerstande, seinen Vorsatz zu verwirklichen. Die Farbe war von einer dicken und zähen Haut bedeckt. Walton (1834-1928) untersuchte die Haut, überlegte, experimentierte und meldete schließlich im Jahre 1860 einen Bodenbelag zum Patent an, den er Linoleum nannte. Walton entwickelte den Bodenbelag immer weiter, etwa zwei Drittel seiner Patente befassen sich allein mit dem ökologisch unbedenklichen Linoleum.

Eine Mischung aus Leinöl (Oleum), Harzen und Korkmehl wurde auf eine Unterlage aus Baumwolle oder Flachs (Linum) gepresst. Über die verschiedenen Produktionsschritte bei der Herstellung dieses Fußbodenbelags, der „immer mehr geschätzt wird, weil er leicht gereinigt werden kann, ein schlechter Wärmeleiter ist und deshalb warmen Fußboden bildet“, gibt der Brockhaus von 1898 Auskunft. Dort heißt es: „1) das Oxidieren des Leinöls durch Kochen mit Sauerstoff abgebenden Substanzen (Bleiglätte, Zinkoxid u.a.) und Überführen des gekochten Öls in einen stark elastischen kautschukartigen Körper durch Behandlung mit warmen Luftströmen; 2) das Feinmahlen des Korkes auf Excelsiormühlen und oberläufigen Mahlgängen; 3) das Mischen des oxidierten Öls und Korkmehls in beheizten Rührwerken und auf Walzenmischmaschinen; 4) das Belegen des Jutegewebes mit der Deckmasse mittels Platten- oder Walzenpressen sowie das Bedecken der Unterseite des Gewebes mit einem Firnisfarbenanstrich; 5) die Festigung und Härtung der Deckschicht durch mehrwöchiges Aufhängen des Fabrikats in einem beheizten Trockenhaus.“

Aber damit war das Linoleum noch nicht fertig. Es musste noch bedruckt werden, denn die Grundmasse war langweilig einfarbig. Man nahm dazu Ölfarben, die anschließend auch erst wieder trocknen mussten. Anfang der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die Linoleumproduktion in Deutschland aufgenommen, aber Hauptproduzent blieb das Geburtsland England.

Frederick Walton hatte übrigens einen Vorgänger, ebenfalls Engländer. Sein Name war Elijah Galloway. Dieser Galloway stellte 1844 einen Stoff mit dem Namen »Kamptulikon« aus Korkteilchen her, die durch Guttapercha (ein aus dem Milchsaft von Palaquiumbäumen {Seifenbaumgewächse; Malaysia, Indonesien} gewonnenes Produkt) miteinander verbunden wurden. Allerdings wurde die Erfindung am 14. Februar 1844 unter der Nr. 10054 nicht als Fußbodenbelag patentiert, sondern als Malgrund.

Linoleum hat in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren, zumal sich die Industrie von den marmorierten und geblümten Mustern der 50er und 60er Jahre fast restlos verabschiedet hat. Heute wird Linoleum in vielen attraktiven Farbvarianten angeboten und auch intensiv im Objektbereich eingesetzt. Dieser Bodenbelag ist in unterschiedlichen Dicken in Bahnen erhältlich, deren Stoßnähte dann vor Ort verschweißt werden. Verfügbar sind auch Linoleumplatten. Um eine saubere und rutschfeste Oberfläche zu erhalten, wird Linoleum auf einem glatten und festen Untergrund aufgeklebt, z.B. auf einen Estrich oder auf Flachpressplatten als obere Tragschicht eines schwimmenden Estrichs. Linoleum ist elastisch, wirkt als Wärmedämmung und wirkt sich günstig auf den Trittschallschutz aus. Linoleum ist sehr widerstandsfähig gegen heißes Fett oder Spülmittel. Nennenswerte Nachteile von Linoleum gibt es nicht, die Vorteile sind:

Linoleum wirkt ohne Beschichtung antistatisch, keimtötend und feuchtigkeitsregulierend,
Linoleum ist weich und es lässt sich angenehm darauf treten, außerdem ist es fußwarm,
Linoleum ist leicht abzuwischen und von allen allergieauslösenden Stoffen freizuhalten und
• es sind nur nachwachsende Rohstoffe im Linoleum enthalten.

Die Zutaten für Linoleum sind Kork, Leinöl, Farbe, Kreide und Naturharz. Linoleumzement entsteht aus 80 % Leinöl und 20 % Naturharz. Der Zement, vermischt mit Holz- und Korkmehl, Trockenstoffen sowie Füllstoffen wie Kreide und natürlichen Farbpigmenten, kommt auf eine Jutebahn. Der Boden ist in diesem Stadium warm und wird gepresst. Dann muss er trocknen.

Je mehr Holzmehl im Vergleich zu Korkmehl im Linoleum enthalten ist, desto härter wird es. Der Nachteil dabei: Das so genannte Rückstellvermögen, also die Fähigkeit, nach dem Eindrücken die Delle wieder auszugleichen, verringert sich.

Das so genannte Möbel-Linoleum wird von Innenarchitekten gerne eingesetzt, um Schranktüren, Schreibtischplatten usw. eine Designernote zu verleihen.

siehe auch:
- Kork
- Laminat
- Parkett