Es ist historisch nicht verbürgt, warum die Zahl Sieben in der Antike eine solch besondere Bedeutung hatte. Fest steht jedoch, dass die Griechen zu dieser Zeit begannen, Gruppen von je sieben herausragenden Persönlichkeiten oder Dingen zusammenzufassen. Bekannt wurden beispielsweise die »Sieben Weisen«, zu denen u.a. der Athener Gesetzgeber Solon (ca. 640-560 v.Chr.) oder der Mathematiker Thales von Milet (ca. 625-547 v.Chr.) zählten.
In der Antike gilt die Zahl „Sieben“ als die Vollkommene. Schon der griechische Mathematiker Pythagoras ehrt diese Zahl im 6. Jh. v.Chr., weil sie die Summe aus Quadrat und Dreieck bildet. Die Sieben steht ebenfalls für die Familie (Vater, Mutter und Kind), also drei Personen plus den vier Himmelsrichtungen. Schönheit, Größe und technische Raffinesse waren die Kriterien der Antike und für Antiparos die sieben Weltwunder als solche zu benennen. Einzigartig und ein bisschen geheimnisvoll sollten die Bauwerke für die schönheitstrunkenen Griechen sein.
Außerdem wurden jedes Jahr die sieben besten Tragödien- bzw. Komödienschauspieler gewählt. Die älteste Quelle, die sieben herausragende »Schaustücke« erwähnt, ist ein griechisches Papyrus-Fragment aus dem 2. Jh. v.Chr., das so genannte »Laterculi Alexandrini«. Da das Blatt jedoch zur Auspolsterung eines ägyptischen Mumiensarges verwendet worden war, lassen sich nur noch die Namen des Artemisions in Ephesos, des Mausolos-Grabmales und der Pyramiden entziffern.
Gegen Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr. widmete der griechisch-phönizische Dichter Antipatros von Sidon den sieben Weltwundern ein Gedicht. Er beschreibt, wie er die Mauern Babylons, die Zeusstatue in Olympia, die Hängenden Gärten, den Koloss von Rhodos, die Pyramiden und das Mausolos-Grabmal anschauen durfte, die jedoch alle verblassen gegenüber dem »Tempel, der sich in Wolken verliert, heilig der Artemis«. Ob Antipatros seine » bedichtete Bildungsreise« jedoch tatsächlich gemacht hat, wird bezweifelt. Immerhin war die Helios-Statue auf Rhodos bereits 224 v.Chr. durch ein Erdbeben zerstört worden. Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass der Kanon der sieben »Schaustücke« in der ersten Hälfte des 3. Jh. v.Chr. erstellt worden ist. In den ersten Erwähnungen scheinen die »Schaustücke« vor allem eine Art Besichtigungstipp für Bildungswillige im hellenisch geprägten Kulturraum gewesen zu sein. Das erklärt auch, warum mit der Zeusstatue nur ein einziges griechisches Baudenkmal vertreten ist. Die Bauten der Akropolis kannte beispielsweise jeder gebildete Mensch.
Im 1. Jh. v.Chr. werden die »sieben berühmtesten Werke« zum geflügelten Begriff bei griechischen und römischen Autoren. Ein Graffiti aus Pompeji beweist, dass die Bezeichnung im 1. Jahrhundert n.Chr. auch im Volksmund gebräuchlich war. »In allen Kämpfen hast du gesiegt; das ist eines der sieben Weltwunder!« steht dort an den Wänden des Amphitheaters. Die sieben Weltwunder sind ausnahmslos Bauwerke, wie die folgende Zusammenstellung zeigt:
•• Die Cheops-Pyramide von Giseh in Ägypten, erbaut 2575-2465 v.Chr. von Ägyptern
»Die Pyramiden«, meinte der griechische Historiker Diodoros (um 80-27 v.Chr.), »erregen« ein »durch ihre Größe und technische Vollendung erstauntes Erschrecken bei allen, die sie sehen.« Bis heute noch ist nicht wirklich geklärt, wie die Nilbewohner vor rund 4500 Jahren die drei mächtigen Bauwerke bei Gizeh erbaut haben. Die Pyramiden sind das einzige Weltwunder, das noch erhalten ist. Allerdings fehlt ihnen mittlerweile der Überzug aus weißen Steinplatten, der die Bauwerke - laut antiker Autoren - »wie von innen heraus« leuchten ließ. Vermutlich war auch noch die Spitze vergoldet. Erglänzte sie im Sonnenlicht, wurde das als direkte Verbindung zum Sonnengott Ra gesehen.
Während man in der Antike alle drei Pyramiden zu den Weltwundern zählte, ist es heute nur noch die größte von ihnen, die Pyramide des Pharaos Cheops (reg. um 2554-2531 v.Chr.). Denn die Grabmäler seiner Nachfolger Chephren (reg. um 2522-2489 v.Chr.) und Mykerinos (reg. um 2489-2461 v.Chr.) sind sehr ähnlich, aber im Inneren einfacher gebaut.
Obwohl der Cheops-Pyramide inzwischen etwa zehn Meter an Höhe fehlen, ist sie so hoch wie die Türme des Wiener Stephandoms. Auf ihrer Grundfläche hätten über 200 Tennisplätze oder der Petersdom, die St. Paul´s Cathedral, Westminster Abbey und die Dome von Mailand und Florenz zusammen Platz. Sie besteht aus 2,5 Millionen Steinen, von denen jeder etwa 2,5 Tonnen schwer ist (Gesamtgewicht etwa 6,5 Millionen Tonnen). Geht man von einer Bauzeit von 20 Jahren aus, dann mussten täglich 300 dieser Steine gebrochen, transportiert und verbaut werden. Mit Ausnahme der Chinesischen Mauer hat die Menschheit nie wieder ein so gewaltiges Bauwerk errichtet.
Neben der Größe erstaunt die technische Präzision. Um einen vollkommen ebenen Baugrund zu erhalten, wurde der Boden mit einer Vielzahl kleiner Gräben durchzogen, die mit Wasser gefüllt wurden. Man markierte die Wasserlinie an den Rändern, trug daraufhin alles, was darüber lag, ab, und schüttete die Gräben wieder zu. Der Unterschied zwischen der kürzesten und längsten Seite des Bauwerks beträgt ganze 18 Zentimeter. Die Fugen zwischen den Steinen sind nur einen halben Millimeter breit, zwischen die Steine der Verkleidung passte - nach alten Quellen - nicht einmal ein Blatt Papier.
Wie die Pyramide gebaut wurde, darüber streiten die Forscher noch immer. In der Regel geht man davon aus, dass eine große Rampe angelegt wurde, auf der die Steine mit Holzschlitten hochgezogen wurden. Mit jeder Steinschicht wurde auch die Rampe erhöht. Eine geradlinige Rampe müsste dann zuletzt einen Kilometer oder länger gewesen sein, was allerdings kaum vorstellbar ist. Deshalb glauben einige Experten, dass der Weg nach oben spiralförmig um den Bau angelegt wurde. Immerhin ist der Kalkstein, aus dem der größte Teil der Pyramide besteht, auch mit einfachen Kupferwerkzeugen relativ gut zu behauen, überdies stammte er aus der Nähe. Härtere Steine wie Basalt oder der rosa Granit der Grabkammer mussten über Hunderte von Kilometern weit hergeschafft werden und konnten nur mit Werkzeugen aus Dolorit, einem noch massiveren Stein, bearbeitet werden.
Die Cheops-Pyramide enthält zwei Grabkammern. Die eine liegt, wie bei den beiden anderen Pyramiden auch, unter dem Bauwerk, die andere in 42 Meter Höhe. Daneben gibt es mehrere kleine Kammern und Luftschächte, die nicht vollends erforscht worden sind. Manche Forscher erhoffen bis heute sensationelle Entdeckungen, denn die schmucklose Grabkammer mit dem schweren, aber nicht völlig fertig gestellten Sarkophag ist offenbar nie benutzt worden. Wurde Cheops also an einem noch geheimeren Ort bestattet? Kam er vielleicht durch einen Unfall um, so dass sein Leichnam nie mit dem speziell für seine Bestattung erschaffenen Mammutwerk beigesetzt werden konnte?
Die Pyramiden wurden nicht von Sklaven, sondern von der einfachen ägyptischen Bevölkerung gebaut. Während der jährlichen, viermonatigen Überschwemmungszeit des Nils konnten sie nicht auf ihren Feldern arbeiten. Für die Arbeit an den königlichen Grabmälern dagegen gab es freie Unterkunft, Verpflegung und vermutlich auch ein geringes Entgelt. Hinzu kam die Vorstellung, mit dem Bau den Göttern zu dienen, denn der Pharao repräsentierte die göttliche Ordnung (Maat), durch die das ganze Land zusammengehalten wurde. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (484-425 v.Chr.) berichtet, es hätten 100.000 Menschen 20 Jahre lang an einer der Pyramiden gearbeitet. Das wird heute bezweifelt, denn so viele Arbeitskräfte hätte die Baustelle wohl nicht verkraftet. Man geht stattdessen von etwa 4000 Facharbeitern aus, die während der Überschwemmungen von Zehntausenden von Hilfskräften unterstützt wurden.
•• Hängende Gärten in Babylon im Irak, erbaut 605-562 v.Chr. von Babyloniern
»Ein König von Syrien«, schrieb der römische Historiker Quintus Curtius Rufus (1. Jh.) über die Hängenden Gärten von Babylon, »soll diesen Bau geschaffen haben, und zwar aus Liebe zu seiner Gemahlin. Sie hatte aus Sehnsucht nach ihren Hainen und Wäldern den Gatten dazu bewogen, mitten im Flachland mit einem derartigen Bauwerk die anmutige Natur nachzuahmen.«
Der König von Syrien war in Wahrheit Nebukadnezar II., aber er hatte tatsächlich eine medische Prinzessin aus dem Zakros-Gebirge geheiratet, so dass die romantische Geschichte des Curtius Rufus stimmen könnte. Nebukadnezar sagt auf einer Inschrift: »Ich formte gebrannte Ziegel in der Art eines Berges und errichtete einen großen, stufenweise terrassierten kummu als königlichen Aufenthaltsort für mich.«
Was ein »kummu« ist, hat die Wissenschaft bis heute noch nicht klären können, doch man weiß, dass Gärten in den heißen Ländern des Orients schon in der frühen Geschichte als Inbegriff des königlichen Luxus galten.
Als der deutsche Archäologe Robert Koldewey (1855-1925) im Dienst der Deutschen Orientalischen Gesellschaft in Babylon zu graben begann, hatte er den ausdrücklichen Auftrag, den legendären Turm von Babel, die berühmten Stadtmauern und die Hängenden Gärten zu finden. Die Mauern waren schnell entdeckt, auch der Standort des Turms ließ sich anhand seines quadratischen Fundaments erkennen, doch nach den Gärten suchte der Berliner Wissenschaftler vergeblich. Schließlich entdeckte er nach 18 Jahren in der Nordostecke des Palast-Komplexes nahe dem Ischtar-Tor unter meterhohem Schutt ein Fundament von zwölf gleich großen schmalen Kammern, die zu beiden Seiten eines Mittelgangs angelegt waren. Die Wände waren teilweise aus behauenem Stein gebaut und bis zu sieben Meter dick. Auf zahlreichen Pfeilern trugen sie ein schweres Deckengewölbe aus Brandziegeln, eine für die mesopotamische Frühgeschichte äußerst seltene Konstruktion. Gleich neben dem Gebäude befanden sich drei Brunnenschächte. Koldewey erinnerte sich, dass in alten Schriften über Babylon erwähnt wurde, nur an zwei Stellen sei behauener Stein verwendet worden: nämlich für die Nordmauer des Palastes und die Gärten. Er hatte also die Überreste des verschollenen Weltwunders entdeckt.
Diodoros (um 80-27 v.Chr.) spricht von einem massiven Bau mit abgestuften Terrassen, von denen jede nur fünf Meter hoch sei. Auf die Steindecken sei zuerst eine Lage aus asphaltiertem Schilf aufgetragen worden. Dann folgte eine doppelte Schicht gebrannter Ziegel, deren Fugen man mit Gips abdichtete, und schließlich sogar Blei, das den Untergrund gegen die Feuchtigkeit isolieren sollte.
Forscher vermuten, dass die darüber liegende Erdschicht bis zu drei Meter dick war, denn die antiken Autoren berichteten übereinstimmend, dass in den sagenumwobenen Gärten große Bäume wuchsen sowie alle nur erdenklichen Arten von Sträuchern und Blumen.
Nebukadnezars Soldaten hatten den Befehl, auf ihren Feldzügen unbekannte Pflanzen auszugraben und so schnell wie möglich nach Babylon zu schicken. Das Trostgeschenk für die medische Prinzessin war ein botanischer Garten; es war der erste auf der Welt. Die Bezeichnung »Hängende Gärten« kommt vermutlich daher, dass der äußerste Rand jeder Terrasse mit Hängepflanzen bewachsen war, so dass das riesige Gebäude wie ein üppig bewachsener grüner Berg emporragte.
In den von Koldewey gefundenen Fundamenten war ein Pumpensystem untergebracht - wohl eine Art Wasserschnecke - mit dessen Hilfe Sklaven im Sommer unablässig frisches Wasser aus dem Brunnen auf die einzelnen Terrassen zu pumpen hatten, auf denen es in Bassins gespeichert wurde. Gerade in den Sommern, in denen es in der wüstenhaften Ebene Mesopotamiens häufig bis zu 50°C heiß wird, werden die luftigen Gärten, in denen stets verdunstende Feuchtigkeit für Kühle sorgte, ein wahres Paradies gewesen sein.
Der Legende nach sollen die Hängenden Gärten, die Mauern von Babylon sowie ein großer Obelisk durch die Königin Semiramis erbaut worden sein. Semiramis war eine babylonische Prinzessin, die den assyrischen König Schamasch-Adad V. (reg. 823-810 v.Chr.) heiratete. Nach seinem Tod führte sie fünf Jahre lang die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn Adadneraris III. (reg. 805-782 v.Chr.). Als assyrische Königin hatte sie auch auf das politisch abhängige Babylon Einfluss. Es ist allerdings historisch nicht einwandfrei gesichert, ob sie dort tatsächliche als Bauherrin aktiv gewesen ist, denn ihre Werke fielen schon bald assyrischen Königen zum Opfer, die Babylon mehrfach zerstörten. Die Legende um die sagenumwobene Herrscherin trug aber dazu bei, dass die ihr zugeschriebenen Werke in späteren Zeiten ein besonders großes Interesse auf sich zogen.
•• Artemistempel in Ephesus in der Türkei, erbaut 560-460 v.Chr. von Griechen
Die berühmteste Geschichte um das Artemision ist die seiner Zerstörung: In einer Sommernacht des Jahres 356 v.Chr. schlich sich ein Mann mit einer Fackel in den prächtigen Tempel der Artemis in Ephesos und setzte die Vorhänge, die hölzernen Kultgegenstände und die Türen aus Zypressenholz in Brand. Das Feuer breitete sich rasch aus und ergriff den hölzernen Dachstuhl. Es loderte so heftig, dass auch ein Teil der Marmorsäulen in der Hitze zerbarst und umstürzten. Am Ende war vom prächtigsten Tempel Kleinasiens nur noch eine rauchende Ruine übrig. Der Täter wurde gefasst und bekannte vor Gericht, dass er das Feuer nur deshalb gelegt habe, damit sein Name in die Geschichtsbücher eingehe. Obwohl die Epheser daraufhin geschworen haben sollen, den Namen in Vergessenheit geraten zu lassen, wurde er überliefert. Der Zerstörer des Weltwunders hieß Herostratos.
Das Artemision wurde 560 v.Chr. von dem reichen Lyderkönig Krösus (um 595-547 v.Chr.), der Ephesos erobert hatte, in Auftrag gegeben. Als es um 460 v.Chr. endlich fertig gestellt war, war es mit 105 x 51 Meter Fläche der größte Tempel der damaligen Zeit. Ungewöhnlich war die Anzahl von 127 ionischen Säulen, die den Tempel in mehreren Reihen umgaben. Möglicherweise sollte dieser Wald von Säulen einen Tribut an die Waldgöttin Artemis darstellen. 36 davon waren am Schaft mit übermannshohen Friesen geschmückt.
Der römische Schriftsteller Plinius (um 23-79) berichtet, der Tempel sei bewusst auf sumpfigem Gebiet errichtet worden, um Erdbebenschäden zu vermeiden. Man habe den Boden sehr tief ausgeschachtet und dann die steinernen Fundamente auf fest gestampfte Kohle - wohl angekohlte Eichenstämme - und Wollvliese gestellt. Am meisten jedoch fasziniert ihn die Frage, wie man die Querbalken des umlaufenden Steinkranzes (Architrav) auf die 18 Meter hohen Säulen bekommen habe. Die Schwelle über dem Eingangstor sei nämlich so schwer gewesen, dass Chersiphron, der Baumeister des Prestigeobjektes, angeblich schon Selbstmord erwogen habe, erzählt Plinius. Doch dann soll einer Legende nach Artemis selber in der Nacht den Balken an die rechte Stelle gesetzt haben.
Nach der Brandstiftung des Herostratos wurde das Kultbild der Artemis fast unversehrt unter den Trümmern gefunden. Die Epheser interpretierten das als Auftrag der Göttin, ihren Tempel auf dem planierten Schutthügel in der alten Weihestätte noch größer und prächtiger wieder aufzubauen. Das neue Heiligtum maß sogar 125 x 65 Meter und war ungefähr doppelt so groß wie der Zeustempel in Olympia. Die Anzahl von 127 Säulen behielt der Baumeister Cheirokrates bei. Den Dachstuhl jedoch ließ er nicht mehr aus edlem Zedernholz, sondern aus Stein fertigen. Der Bau dauerte mehrere Jahrzehnte und war für die Epheser nationale Sache. Als sich Alexander der Große (356-323 v.Chr.) finanziell beteiligen wollte, wurde er höflich, aber bestimmt abgewimmelt.
133 v.Chr. wurde Ephesos von den Römern erobert und zur Hauptstadt ihrer Provinz Asia gemacht. Aus Artemis wurde Diana, doch ihre Anziehungskraft blieb ungebrochen. Viele Epheser lebten gut vom Souvenirverkauf. Das erfuhr selbst Apostel Paulus (um 5-64), allerdings auf unangenehme Weise, da ihn die Epheser aus ihrer Stadt jagten, weil er das lukrative Geschäft mit der populären Göttin störte. 262 plünderten die Goten den Tempel und zerstörten ihn teilweise. 380 wurde er von Kaiser Theodosius (347-395) offiziell geschlossen. Die Steine wurden woanders als Baumaterial verwendet und das einstmals so reiche Ephesos versank langsam in den Sümpfen Kaystros.
Ungewöhnlich ist das Kultbild der Artemis, von dem drei Kopien in einer Werkstatt des Bildhauers Phidias (gest. um 430 v.Chr.) gefunden wurden. Das Gesicht der Göttin, ihre ausgebreiteten Hände sowie die nackten Füße, die unter einem engen Volantrock hervorschauen, waren aus schwarzem Holz. Ihr Oberkörper ist dicht an dicht mit Gebilden behangen, die wie Brüste aussehen, aber auch als Stierhoden gedeutet werden. Auf den segmentierten Feldern ihres hautengen Rocks ragen Reliefs mit jeweils drei Tierköpfen hervor. Ebenso ist eine Art tief sitzender Heiligenschein in ihrem Nacken mit Tierköpfen geschmückt und auf den langen Ärmeln ihres Gewandes hocken Löwen. Dazu trägt sie eine turmartige Krone und einen breiten Halsreif.
Vermutlich handelte es sich ursprünglich um eine asiatische Fruchtbarkeitsgöttin. Angeblich haben ionische Siedler die Originalstatue Ende des 2. Jt. v.Chr. in einer kleinen Einfriedung an der Mündung des Flusses Kaystros gefunden, setzten sie mit ihrer Jagdgöttin und Tierbeschützerin Artemis gleich und machten sie zur Schirmherrin in ihrer neu gegründeten Stadt. Diese entwickelte sich schnell zu einem bedeutenden Handelsplatz und die dankbaren Einwohner schrieben das natürlich ihrer vielbrüstigen Göttin zu.
•• Zeusstatue von Phidias in Olympia, erbaut ca. 447 v.Chr. von Griechen
Etwa um das Jahr 470 v.Chr. ging ein Hilferuf aus dem kleinen Städtchen Olympia an die griechische Welt; die olympischen Spiele, die hier seit dem 8. Jahrhundert v.Chr. alle vier Jahre zur Ehren des Göttervaters Zeus abgehalten wurden, waren inzwischen zur wichtigsten Veranstaltung im griechischen Kulturraum geworden. Es hieß, es gäbe für Zeus noch keine Stätte der Verehrung, die der Bedeutung der Spiele angemessen wäre!
Der Aufruf hatte Erfolg. Aus ganz Griechenland kamen Spenden und Geschenke, um den größten und prächtigsten Tempel zu errichten, den es bis dahin auf dem griechischen Festland gegeben hat. Dieser Tempel, von Libon von Elis gebaut und 457 v.Chr. vollendet, maß 64 x 27 Meter und war von 34 dorischen Säulen aus Muschelkalk umstellt, die über zehn Meter hoch waren. Der Fries am Giebel zeigte Zeus zwischen den beiden mystischen Helden Pelops und Oinomaos, die in der Überlieferung ein dramatisches Wagenrennen bestritten.
Die Altäre für religiöse Riten befanden sich bei griechischen Tempeln im Freien vor dem Bauwerk. Innerhalb des Säulenkranzes befand sich die Cella, die das Kultbild beherbergte.
Für die Zeusstatue, im neuen Tempel von Olympia, beauftragte man damals den berühmtesten Künstler seiner Zeit, den Athener Bildhauer Phidias (gest. um 430 v.Chr.). Zahlreiche antike Münzen geben ein recht gutes Zeugnis von der ungewöhnlichen Darstellung des Göttervaters, die der Künstler für Olympia schuf. Zeus ist hier kein zorniger, Blitze schleudernder Kraftprotz, sondern ein majestätischer, gütiger Greis mit dichtem Bart, der auf einem reich geschmückten Stuhl aus Elfenbein thront. In der linken Hand hält er ein langes Zepter mit einem Adler an der Spitze, auf der ausgestreckten rechten Handfläche steht die zierlich wirkende, goldene Siegesgöttin (Nike), die in Wahrheit übermannshoch ist. Der nackte Oberkörper des obersten Gottes ist muskulös und auf dem Haupt trägt er einen Olivenkranz wie ein Olympiasieger. Vermutlich war es diese neue Darstellung, die dazu führte, dass das Kultbild des Zeus als Weltwunder angesehen wurde und nicht das ähnlich große, ähnlich wertvolle der Athene, das Phidias für den Parthenon in Athen schuf. Der eher nüchterne römische Staatsmann Cicero (106-43 v.Chr.) jedenfalls nannte das Bild »das Vollkommenste seiner Art.«
Umgeben ist die Statue von einer doppelstöckigen Säulenarkade. Die Decke darüber schmückte ein Kassettenmuster. Allerdings muss die Säule sehr mächtig für den Raum gewesen sein. Der sitzende Zeus reichte fast an die 14,5 Meter hohe Decke und der griechische Historiker Strabon (um 63 v.Chr.) meinte, „dass er den Eindruck machte, er werde, wenn er aufstehe, den Tempel abdecken“.
Etwa 80 Meter vom Tempel entfernt sind die Überreste der Werkstatt des Phidias gefunden worden. Sie hatte die Maße der Cella, damit der Künstler die Größe der Statue genau anpassen konnte. In diesem Atelier fertigte Phidias ein Gerüst aus Eisen, Holz und Gips, das er nach und nach mit modelliertem Elfenbein beschichtete. Haare und Gewand des Gottes sowie sein Zepter wurden aus Gold geformt, ebenso die Nike-Statue. Angeblich wog allein das Gold, das für die riesige Statue gebraucht wurde, 200 Kilogramm. Die Augen sollen aus faustgroßen Edelsteinen bestanden haben.
Nach der Fertigstellung zerlegte Phidias die Figur wieder in ihre Einzelteile und baute sie im Tempel neu auf. Am ersten Tag der künftigen Olympiaden boten die Athleten vor dem Altar des Göttervaters Opfer dar, beteten für ihren Sieg und schoren dem Schutzherren und Schiedsrichter ein faires Spiel.
Die Kultstätten in Olympia galten als Heiliger Bezirk. Der älteste Tempel dort war daa Heraion (7. Jh. v.Chr.), das der Gattin des Zeus gewidmet war. Es ist das erste bekannte Bauwerk im dorischen Stil. Hier wurden auf einem kostbaren Tisch die Ölbaumkränze ausgestellt, mit denen die Sieger geschmückt wurden. Außerdem müssen zahlreiche Götterstatuen dort gestanden haben. Bei Ausgrabungsarbeiten fand man 1960 eine der berühmtesten griechischen Skulpturen, den Hermes mit Dionysosknaben des Bildhauers Praxiteles (um 340 v.Chr.).
Im Norden standen zwölf Schatzhäuser zur Aufnahme von Weihegeschenken bereit. Östlich des Heiligen Bezirks erstreckte sich das Stadion für die Wettkämpfe, westlich lagen die Ringerhalle, eine Trainingsstätte (Gymnasion), wo sich die Athleten auf die Wettkämpfe vorbereiteten, zahlreiche Gästehäuser und ein Bad.
Die Gebäude und die Statue wurden im 2. Jahrhundert n.Chr. bei einem Erdbeben schwer beschädigt. Die Zeusfigur soll um 350 von Plünderern völlig zerstört worden sein, möglich ist aber auch, dass man sie 475 nach Konstantinopel schaffte, wo sie einem Brand zum Opfer fiel.
•• Mausoleum in Halikarnassos in der Türkei, erbaut 350 v.Chr. von Griechen
Als der persische König Dareios (reg. 522-486 v.Chr.) sein Reich reformierte, das sich damals über fünf Millionen Quadratkilometer vom Bosporus bis zum Indus erstreckte, teilte er es in einzelne Provinzen (Satrapien), an deren Spitze er jeweils einen Satrapen aus einer mächtigen und loyalen persischen oder medischen Familie stellte. Der König ließ diese Provinzverwalter, die teilweise riesige Gebiete unter sich hatten, streng kontrollieren. Wer jedoch weder gegen seine persönlichen Interessen noch gegen die Gesetze verstieß, genoss viele Freiheiten und konnte sehr reich werden. Unter Dareios´ unfähigen Nachfolgern wurde die Macht der Satrapen noch größer. Einer von ihnen hieß Mausolos und beschloss, unsterblich zu werden.
Mausolos´ Vater Hekatomnos (gest. 377 v.Chr.) war ein Vasall des persischen Großkönigs Artaxerxes (reg. 404-358 v.Chr.), der ihm die Treue hielt, als dieser den Thron bestieg und die griechischen Städte gegen ihn rebellierten. Zum Dank wurde er zum Sapraten der Provinz Karien gemacht. Als neue Hauptstadt wählte Hekatomnos die verkehrsgünstig gelegene Küstenstadt Halikarnassos - nahe dem heutigen Bodrum - aus. Sein Sohn Mausolos (reg. 377-353 v.Chr.) machte daraus eine prächtige Residenz nach griechischem Vorbild.
Den Bau eines Grabmals wollte er keinem einheimischen Architekten überlassen, sondern rief einen Wettbewerb aus, mit dem er sich an die berühmtesten griechischen Künstler wandte. Es sollte jeder, der damals Rand und Namen hatte, teilnehmen, denn die griechischen Städte besaßen nicht mehr die Mittel, große Kunstwerke zu bezahlen. Lukrative Aufträge waren nur noch von den neuen Herren zu erwarten.
Als Maisolos starb, war der Bau seines Grabmals noch in vollem Gange. Seine jüngere Schwester und Witwe Artemisia übernahm die Leitung der Bauarbeiten, überlebte ihren Bruder jedoch nur um zwei Jahre. Das Grabmal war immer noch nicht fertig. Ein solch herausragendes Bauwerk, so die Meinung der griechischen Künstler, könne nicht unvollendet gelassen werden. In Eigenregie stellten sie den Bau fertig. Als Alexander der Große (356-323 v.Chr.) Ephesos 334 v.Chr. einnahm, ließ er das Mausoleum unbeschädigt.
Obwohl sich Mausolos bewusst an die griechischen Baumeister gewandt hatte, ernannte er die Baumeister Satyros und Pytheos zu den Siegern, die völlig ungewöhnliche Entwürfe eingereicht hatten, indem sie griechische mit persischen und ägyptischen Elementen zusammenwürfelten, was sehr eindrucksvoll wirkte. Als Bauplatz wählte Mausolos eine zentrale Lage zwischen dem Marktplatz der Stadt und dem großen Arestempel. Dort wurde zuerst eine Terrasse errichtet, auf der ein fünfstufiger Unterbau von 33 x 39 Metern Grundfläche angelegt wurde. Auf diesem erhob sich ein sehr schlichter, aber umso imposanter wirkender, massiv gemauerter Quader von 27 x 33 Metern Fläche. Beides zusammen hatte eine Höhe von 22 Metern. Auf diesem schroff anmutenden Sockel wurde der eigentliche Grabtempel im griechischen Stil errichtet. Er war von elf hohen Säulen umgeben und in der Cellas befand sich anstatt des traditionellen Götterbildes die Grabstätte des Auftraggebers. Der Skulpturenschmuck soll gemeinsam von den berühmten Bildhauern der Zeit, darunter Praxiteles, erschaffen worden sein. Auf das Dachgebälk setzten die Baumeister noch einmal eine 24-stufige Pyramide, derfen oberste Spitze Abgeflacht war, damit dort eine marmorne Quadriga aufgestellt werden konnte. Entgegen den ursprünglichen Entwürfen wurde der Wagen nicht von einer, sondern von zwei Personen gelenkt. Artemisia hatte sich dort an der Seite ihres verstorbenen Gatten verewigen lassen. Eine Tatsache, über die sich einige der antiken Schriftsteller die Zunge zerrisen und meinten, Mausolos wäre eine solche Selbsterhebung bestimmt nicht recht gewesen. Andere hingegen rühmten die große Liebe der Artemisia, die sich bei der hingebungsvollen Arbeit am Grabmal ihres Gatten gezeigt habe.
Das Mausoleum ist das Weltwunder, welches am längsten existierte. Es fiel erst im 12. Jahrhundert einem Erdbeben zum Opfer. Später bauten die Kreuzfahrer aus seinen Trümmern eine Befestigung gegen die Türken. Bei Ausgrabungen wurden nur noch einige Relikte eines kunstvollen, 90 Zentimeter hohen Amazonenfrieses, eine beschädigte Statue des Mausolos und einige andere Reste des Skulpturenschmucks gefunden.
•• Koloss zu Rhodos in Griechenland, erbaut ca. 280 v.Chr. von Griechen
Den berühmten Bildhauer Chares von Lindos (3. Jh. v.Chr.) kostete der Koloss von Rhodos angeblich das Leben. Eines Tages klopfte eine Vertretung der Stadt Rhodos bei dem Schüler des legendären Erzgießers Lysippos von Sikyon (4. Jh. v.Chr.) an und erkundigte sich, wie viel eine 15 Meter hohe Bronzestatue kosten würde. Chares berechnete einen Preis. Daraufhin erkundigten sich die Gäste, was er für eine doppelt so große Statue haben wolle. Unbedacht verdoppelte Chares den Preis und mag sich vielleicht noch gewundert haben, wie schnell seine Verhandlungspartner einschlugen. Die vereinbarte Summe jedoch soll schon nach den Anfangsarbeiten aufgebraucht gewesen sein, und Chares merkte, dass er mindestens das Achtfache der ursprünglichen Summe hätte verlangen müssen. Nachdem er sich vollständig ruiniert hatte, sah er keinen anderen Ausweg mehr als den Selbstmord.
Rhodos war 408 v.Chr. gegründet worden und stieg schnell zur reichen Handelsmetropole auf. Den Einwohnern der Insel gelang es, sich in den politischen Wirren des 4. Jahrhunderts v.Chr. geschickt zu behaupten. Sie kamen fast unbeschadet davon und wurden treue Vasallen ihres ehemaligen Gegners Alexander des Großen (356-323 v.Chr.).
Im Jahr 305 v.Chr. schien sich das Glück der Rhodier zu wenden. Alexanders einstiger Hauptmann Antigonos (um 384-301 v.Chr.), nun Herrscher über Westgriechenland, beschloss den Krieg gegen seinen ehemaligen Kollegen Ptolemäus von Ägypten (366-283 v.Chr.). Die Bewohner von Rhodos jedoch, die gute Handelsbeziehungen zu Ptolemäus pflegten, wollten nicht mitziehen. Also schickte Antigonos seinen Sohn Demetrios, der den Beinamen Poliorketes (Städtebelagerer) trug, nach Rhodos. Doch trotz des gewaltigen Einsatzes an Soldaten und Belagerungsmaschinen hielt die Stadt stand. Daraufhin soll Demetrios das größte Kriegsgerät gebaut haben, das es bis dato gegeben hat: einen fahrbaren, 30 Meter hohen Belagerungsturm mit einem gewaltigen Rammbock. Angeblich waren 340 Menschen nötig, um das Ungetüm zu bewegen. Demetrios konnte damit ein gewaltiges Loch in die Stadtmauer von Rhodos schlagen. Sein Fehler war, den großen Angriff auf den nächsten Tag zu verschieben. Die verzweifelten Rhodier beteten zu ihrem Schutzgott Helios und kamen daraufhin auf die Idee, eine Fallgrube für Demetrios´ Belagerungsturm zu bauen.
Die List ging auf. Als Demetrios den Turm mit dem Rammbock weiterbewegen ließ, blieb dieser mit den Rädern in der Grube stecken; sein Körper füllte jetzt genau das Loch in der Mauer aus, das er vorher hineingeschlagen hatte. Der Angreifer zog endgültig ab. Die Rhodier aber versprachen dem Sonnengott ein Standbild, das so groß wie der Turm des Demetrios werden sollte.
Es gibt wenige gesicherte Hinweise darüber, wie der Koloss von Rhodos ausgesehen hat. Einige alte Münzen zeigen immerhin, dass der Kopf des Sonnengottes von einer siebenstrahligen Krone umgeben war. Vermutlich hielt er die rechte Hand erhoben, möglicherweise mit einer Fackel. Wahrscheinlich war er nackt oder jedenfalls nur spärlich bekleidet und hatte sein Gewand über den linken Unterarm drapiert. In der Linken soll er einen Pfeil, über der Schulter einen Bogen getragen haben. Umso mehr regte die Statue die Fantasie an. Viele Zeichnungen zeigen ihn breitbeinig über der Hafeneinfahrt von Rhodos stehen. Doch die meisten Historiker gehen davon aus, dass die Statue irgendwo in der Stadt aufgestellt gewesen ist. Die breitbeinige Haltung wäre für die damalige Technik nicht machbar gewesen.
Manche antike Berichterstatter meinen, das innere Skelett aus gewaltigen Eisenträgern, Stein und Lehm sei noch imponierender gewesen als das Äußere der Figur. Der Koloss soll auf einer Plattform aus weißem Marmor gestanden haben. Darauf errichtete Chares stückweise die Figur, indem er die fertigen Teile mit einem Erdwall umgab und von diesem aus den nächsten Teil fertigte. Da er für die gesamte Figur nur 15 Tonnen Bronze gebraucht haben soll, war die Figur vermutlich nur sehr dünn - vielleicht 1,5 mm dick - und mit gegossener Bronze überzogen. In der Mitte hatte der Gigant einen Schacht, durch den man zwecks Reparaturarbeiten auf einer Holzleiter bis in den Kopf der Statue steigen konnte. Der Koloss gab allen nachfolgenden Riesenstatuen ihren Namen. Denn eigentlich bedeutete das Wort nur »Statue«. Seine Größe wurde lange nicht erreicht. So ist beispielsweise die Bavaria auf der Münchener Theresienhöhe nur 16 Meter groß.
Das Wunder von Rhodos erwies sich jedoch nicht als besonders standfest. Schon 224 v.Chr. brach sich der Sonnengott bei einem Erdbeben ein Bein, stürzte um und begrub einige Häuser unter sich. Ein Orakel hinderte die Rhodier daran, ihn wieder aufzurichten. So blieb der gefällte Riese liegen und konnte auf seinem neuen Platz noch bis 653 bewundert werden. Dann eroberten die Araber Rhodos, entfernten die Bronze und schmolzen sie ein.
•• Leuchtturm von Pharos in Alexandria, erbaut ab etwa 299 v.Chr. von Griechen
Der Pharos von Alexandria war das Siebte Weltwunder der Antike. Er verdrängte schon kurz nach seiner Fertigstellung im Jahre 279 v.Chr. die Mauern von Babylon aus der Liste der Weltwunder.
Der Bau des Leuchtturms, den einlaufende Schiffe sicher in den Hafen von Alexandria leiten sollte, soll über fünfzehn Jahre gedauert und die enorme Summe von 800 Talenten (20000 Kilogramm Silber) verschlungen haben. Er wurde unter Ptolemaios I. begonnen und während der Regierungszeit Ptolemaios II. um 283 v.Chr. eingeweiht. Mit Ausnahme der Pyramiden von Gizeh war er das höchste Bauwerk der Antike. Weitere ausführliche Hinweise zum Leuchtturm von Alexandria finden Sie unter dem Stichwort »Leuchtturm«.
Doch nicht immer sind sich die Autoren einig, welche Bauwerke zu den Sieben Weltwundern zu rechnen sind. Diodoros (um 80-29 v.Chr.) zählt einen Obelisk der Semiramis in Babylon zu den Weltwundern, nicht aber die Hängenden Gärten. Für den italienischen Gelehrten Gaius Plinius Secundus d.Ä. (um 23-79) gehört unter anderem das Labyrinth des ägyptischen Pharao Amenemhet III. aus dem 19. Jh. v.Chr. dazu, das schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot (484-425 v.Chr.) für beeindruckender als die Pyramiden hielt. Aber auch die Stadt Rom ist für ihn ein Weltwunder, so wie es für den Dichter Martial (um 40-100) kein größeres gibt, als das neu erbaute Kolosseum in Rom. Weitere in antiken Quellen genannte Wunder: Ein Hörneraltar der Artemis auf Delos, der Tempel des Zeus im kleinasiatischen Kyzikos, der Palast des Perserkönigs in Ekbatana und die siebentorige Stadt Theben.
Neben dem Nationalstolz spielte für die Auswahl der Weltwunder sicher auch eine Rolle, dass einige der imposanten Kulturdenkmäler inzwischen zerstört worden waren. An Ruinen hatte man in der Antike im Allgemeinen noch kein großes Interesse. Was zählte, war die Pracht bestehender Bauwerke. Dadurch lässt sich beispielsweise auch erklären, warum der berühmte Turmbau zu Babel in keiner Liste auftaucht. Er war bereits im 4. Jahrhundert v.Chr. verfallen.
Quelle (teilweise):Pöppelmann/Schubert; Weltwunder von der Antike bis heute, Compact Verlag 2005
siehe auch:
- Campanile
- Chinesische Mauer
- Hochhaus
- Leuchtturm
- Mausoleum
- Mega-Tower
- Pyramiden
- Turmbau zu Babel
- Urbane Utopie
- Wolkenkratzer