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Schimmelbildung vorbeugen

Wussten Sie, dass in einem Vier-Personen-Haushalt täglich etwa acht bis 15 Kilogramm Wasserdampf produziert werden? Das ist so viel, als ob man den Inhalt eines Putzeimers auf dem Elektroherd verkochen würde. Eine Geschirrspülmaschine beispielsweise gibt pro Spülgang 200 Gramm Wasserdampf ab, bei einem durchschnittlichen Duschbad entstehen rund 1700 Gramm.

Im Wasserdampf lauert ein verstecktes Gesundheitsrisiko. Dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeitswerte in Wohnräumen - mehr als 65 % - begünstigen die Schimmelpilzbildung, da in einer normalen Woohnung viele Materialien vorhanden sind, die den Schimmelpilzen einen geeigneten Nährboden bieten. Die Sporen können chronische Erkrankungen der Atemwege oder Allergien auslösen. Bereits aus diesem Grunde ist es unbedingt notwendig, die Wohnräume regelmäßig zu lüften, dadurch wird überflüssige Feuchtigkeit nach außen geleitet. Bei Feuchtigkeit in Wohnräumen muss es sich nicht um Wasser in flüssiger Form handeln: Schimmel kann auch auf relativ trockenen Untergründen wachsen, wenn bei ausreichende Wärmezufuhr in der Umgebung der Schimmelspore über einen längeren Zeitraum eine relative Luftfeuchtigkeit von 65 % oder mehr besteht.

Dieser Oberflächenwert wird schnell erreicht: Bei einem normalen Raumklima von 20°C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit verändert sich die relative Luftfeuchtigkeit in dem Maße, wie die Oberflächentemperatur der Außenwand (oder eines anderen Außenbauteils) gegenüber der Innenraumlufttemperatur absinkt. Bei einer Innenwandtemperatur von 14°C steigt die relative Luftfeuchte der Innenwandoberfläche auf ca. 72 %. Damit ergeben sich bereits Schimmelpilzbedingungen.

Wichtige Ursachen

Schimmelpilze benötigen bestimmte Lebensbedingungen, die durch nachfolgende Kriterien begünstigt werden:
• Einbau von Wärmebrücken, beispielsweise an Fenstern: beim Anbau eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) erfolgt keine Zusatzdämmung von vorhandenen Beton- oder Steinfensterbänken, unzureichende oder gar fehlende Dämmung im Bereich von Ringankern, Kanalschächten an der Außenwand, keine thermische Trennung von auskragenden Stahlbetonbalkonen usw.

• Unzweckmäßige Baumaterialien, z.B. wird sehr gern Gipsspachtel auf feuchtes und belastetes Mauerwerk (wie beispielsweise im Treppeneingangsbereich, bei Kellermauerwerk oder in älteren EG-Wohnungen) aufgetragen, damit die Wandoberfläche plan wird. Dazu gehört auch Raufasertapete mit Zellulosekleber.

• Ungünstige raumklimatische Veränderung nach Sanierungen, z.B. keine Beseitigung aller kühlen Oberflächen oder Verlagerung der kühlen Oberfläche an andere unzweckmäßige Bauteile, Verringerung der sorptionsoffenen Flächen in Bädern (durch nachträgliches Fliesen bis an die Decke) usw.

• Feuchtigkeitsbelastetes Mauerwerk, z.B. ältere Gebäude, bei denen aufsteigende Feuchtigkeit und vor allem salzbelastetes Mauerwerk vorliegt.

Nutzungsverhalten, z.B. ungenügende Lüftung.

• Ungeeignete Nutzungsbestimmung, z.B. Einbau eines Bads in einen Keller, ohne dass für dieses Bad eine ausreichende Lüftungsmöglichkeit besteht (kein Fenster).

• Ungeeignete Planung, z.B. Einbau eines zentral gelegenen Raums als Abstellraum ohne eigene Heizmöglichkeit und Erwärmung über den Flur, zu geringe Raumhöhen und damit zu kleines Raumvolumen für Schlafräume im nachträglich ausgebauten Dachgeschoss.

Die beste Vorbeugung ist die Ursachenbekämpfung:
Veränderung der Heizgewohnheiten
• Die relative Luftfeuchtigkeit in der Wohnung sollte 60 % nicht übersteigen.
• Die meisten Schimmelpilzarten gedeihen am besten bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 80 % und einer Temperatur von über 20°C.
• Kontrolle der Raumlufttemperatur, die Temperaturdifferenz innerhalb einer Wohnung sollte 4 K bis maximal 6 K nicht überschreiten.
• Die Räume genügend heizen (ca. 20°C), da die relative Luftfeuchtigkeit bei gleichem Feuchtegehalt, aber höherer Temperatur niedriger ist.
• Erhöhtes Feuchtigkeitsaufkommen beim Backen, Braten, Kochen, Duschen, Baden möglichst sofort direkt ins Freie ableiten (z.B. über Dunstabzugshaube in der Küche). Keine Verteilung der Feuchtigkeit in der Wohnung durch geöffnete Türen zulassen.
• Innentüren zwischen unterschiedlich beheizten Räumen geschlossen halten, damit die feuchte Luft nicht in den kühleren Raum transportiert wird und somit dort die relative Luftfeuchtigkeit erhöht.
• Zur Messung kann ein normales Luftfeuchtemeßgerät (Hygrometer) eingesetzt werden, eine relative Luftfeuchtigkeit von 65 % sollte als Obergrenze eingehalten werden.
• Austrocknung feuchter Bauteile vor jeder Sanierung!
• Nachträgliche, zusätzliche Dämmmaßnahmen immer so anordnen, dass die Dämmschicht möglichst weit außen liegt, also dort, wo der Wärmeverlust am größten ist.
• Einsatz technischer Hilfsmittel (Entlüftungseinrichtung)
• Einrichtungsgegenstände an unzureichend gedämmten Außenwänden sind nicht luftstrombehindernd anzuordnen (mind. 5 cm Abstand zur Wand), Raumecken dann sind möglichst frei halten.

Veränderung der Lüftungsgewohnheiten
• 2 bis 4 mal täglich lüften, also Fenster für einige Minuten (4 bis maximal 7 Minuten) öffnen, sodass die feuchte Innenraumluft durch Frischluft ausgetauscht wird, wodurch die relative Luftfeuchtigkeit sinkt. Bei Abwesenheit über den Tag empfiehlt sich, morgens und abends in den Wohn- und Schlafräumen einen kompletten Luftwechsel durch Stoßlüften (kurzzeitiges, weites Öffnung der Fenster und Türen) vorzunehmen. Die Kippstellung des Fensters lohnt nicht und führt bei dauerhaft gekipptem Fenster zur Energieverschwendung.
• Vermeiden Sie es, Einrichtungsgegenstände direkt vor die Außenwände zu stellen, sondern lassen Sie Abstand für die Luftzirkulation.
Küchentür beim Kochen geschlossen halten und Wasserdampf möglichst nach draußen leiten oder Dunstabzugshaube einsetzen.
• Räume, die zum Trocknen der Wäsche genutzt werden, öfter lüften und die Tür geschlossen halten.
• Bad nach dem Duschen oder Baden sofort lüften. Während des Duschens die Tür geschlossen halten.

Die sich bildende Feuchtigkeit vom Duschen und Kochen, aus Aquarien, von Pflanzen sowie Ein- und Ausatmen mit fehlerhaftem Lüftungsverhalten und bei immer dichten Fenstern und Türen und ohne gleichzeitigen Austausch von Außen- und Innenluft fördert die Feuchtigkeits- und damit die Schimmelpilzbildung in der Wohnung und schädigt neben der Bausubstanz auch Ihre Gesundheit!

Weitere Informationen zu Schimmelbildung und -vermeidung gibt es im Ratgeber „Feuchtigkeit und Schimmelbildung in Wohnräumen“ für ca. 6,80 Euro incl. Versandkosten (Stand: 27.12.2002) bei:
• Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein e.V., Bergstraße 24, 24103 Kiel, Tel. 0341/590990

siehe auch:
- Absolute Feuchtigkeit
- Blower-Door-Test
- Kalziumsilikatplatte
- Leckagen
- Luftdichtheit
- Luftfeuchtigkeit
- Lüftungsanlagen
- Raumklima
- Schimmel
- Schimmelpilzbefall
- Taupunkt