elkage.de
Suchbegriff eingeben:

Blower-Door-Test

Die dauerhaft wirksame Luftdichtheit ist bei der Herstellung eines Gebäudes unbedingt zu beachten. Luftdichtheit bedeutet, dass alle Stellen des Hauses, wo Bauteile die Gebäudehülle durchdringen, sorgfältig abzudichten sind. Auf diese Weise werden Wärmeverluste und spätere Schäden und damit auch Kosten verhindert. Die verschiedenen Baustoffe haben unterschiedliche Werte der Luftdichtheit (z.B. Holz niedrig, Beton hoch). Die Dichtigkeit der Gebäudehülle kann mit dem »Blower-Door-Test« bereits im erweiterten Rohbau gemessen werden, diese Dichtigkeitsmessung ist im Übrigen auch Bestandteil der Energieeinsparverordnung (EnEV), die seit dem 01.03.2002 für alle Neu- und Umbaumaßnahmen anzuwenden ist. Auch in den Folgeausgaben der EnEV (die 2007 in einer überarbeiteten Fassung herausgekommen ist) sind diese im Grundsatz ebenfalls vorgeschrieben.

Die Luftdichtheit der Gebäudehülle war bereits in § 4 der Wärmeschutzverordnung (WSVO) 1995 verankert, ist also keine neue Forderung, wie einige glauben machen möchten. Heute ist sie in der Energieeinsparverordnung und der Norm DIN 4108-7 (Luftdichtheit von Gebäuden) definiert. Auch der zukünftige Energiebedarfsausweis, kurz Energiepass genannt, bewertet Energieverluste über die Gebäudehülle und schaff zumindest auf dem Papier eine einheitliche, transparente Bewertungsgrundlage bezüglich der Energieeffizienz von Gebäuden.

Die Luftdichtheit eines Gebäudes kann messtechnisch durch das Differenzdruckverfahren, die »Blower-Door-Methode« nach DIN EN 13829 überprüft werden. Dabei wird durch eine spezielle Messtür mit integriertem Gebläse ein Über- oder Unterdruck von 50 Pascal erzeugt. 50 Pascal entsprechen einem zusätzlichen Druck von 5 kg/m² oder einer Windstärke von ca. 5 Beaufort, also einem kleinen Herbststurm mit Windgeschwindigkeiten von 28 bis 39 km/h.

Je mehr Leckagen ein Haus aufweist, desto mehr Leistungen muss das Gebläse aufwenden, um den Druck konstant zu halten. Der so genannte n50-Wert gibt hierbei an, wie oft die Gebäudeluft pro Stunde gegen die Außenluft ausgetauscht wird. In Gebäuden ohne Lüftungsanlagen darf die Luftwechselrate 3,0 1/h nicht überschreiten, Gebäude mit Lüftungsanlage dürfen einen n50-Wert von maximal 1,5 1/h aufweisen. Ansonsten liegt ein Baumangel vor, für den die Bauverantwortlichen bis zu 30 Jahren haftbar gemacht werden können. Für einen niedrigen Energieverbrauch sollten sogar Luftwechselraten unter 1,0 1/h angestrebt werden. Die Veranschaulichung von Wärmeverlusten erfolgt schnell und einfach mit Hilfe von Thermografie-Aufnahmen, wobei hierzu ein deutlicher Temperaturunterschied zwischen Innen und Außen bessere Messergebisse bringt.

Mit Hilfe dieses Tests wird am erweiterten Rohbau festgestellt (die Fenster und Türen sind eingebaut und zum anschließenden Mauerwerk hin abgedichtet, die Wärmedämmung samt der zugehörigen innenseitigen Dampfbremse in den Dachflächen und Gaubenwänden ist eingebaut, die Hausinstallation mitsamt den Elektroleitungen und Schalterdosen ist verlegt), ob in der wärmeübertragenden Außenhülle des Gebäudes Leckagen vorhanden sind, die vor dem endgültigen Innenausbau noch abzudichten sind. Zur Durchführung dieses Tests wird mit Hilfe eines in eine Außentüröffnung temporär eingebauten Gebläses innerhalb des Gebäudes ein definierter Unterdruck von 50 Pascal erzeugt, dieser muss dann eine definierte Zeit lang bestehen bleiben. Verändert sich der Luftdruck zu schnell (d.h., der Unterdruck innerhalb des Gebäudes gleicht sich an den Luftdruck außerhalb der Hülle an), sind in der Gebäudehülle Lecks vorhanden. Zur Suche solcher Lecks wird eine Hand vor jede mögliche Schwachstelle gehalten, wird ein Leck gefunden, kann man dies deutlich über den „Handsensor“ fühlen. Bei Steckdosen und anderen Öffnungen in der Hülle (z.B. an der Rollladengurtdurchführung) kann man den Luftaustausch auch mit einem Anemometer messen.

Da somit gefundenen Leckagen sind dann sorgfältig abzudichten, danach wird der Test wiederholt, und zwar solange, bis alle Undichtigkeiten gefunden und beseitigt sind. Im Energieeinsparnachweis wird die Durchführung eines solchen Tests mit etwas geringeren Anforderungen an die Wärmedämmung „belohnt“, d.h., mit bestandenem Blower-Door-Test und bei Verwendung von genormten Bauteilausführungen sind höhere Grenzwerte des Primärenergiebedarfs zugelassen mit der Folge, dass in gewissen Grenzen an der Wärmedämmung des Gebäudes gespart werden kann (Kosten!).

Schwachstellen sind alle Fenster- und Türöffnungen (nicht ausreichend dicht an den anschließenden Wänden angeschlossen), grundsätzlich alle Schalterdosen (hier insbesondere in Gipskartonverkleidungen in Holzfachwerkwänden wie beispielsweise in Dachgauben, die die Dampfsperre durchstoßen), Decken- und Wanddurchbrüche (z.B. Rohrdurchführung zwischen einem unbeheizten Keller und einer Erdgeschosswohnung), Kamine und Entlüftungsleitungen über Dachebenen, nicht ausreichend überlappte und verklebte Stöße von Dampfsperren in Dachgeschossen, Dachluken zu unbeheizten Dachräumen, Rollladenkästen mit Gurtwicklern (besonders kritische Durchdringung der Außenhülle, ggf. sinnvollerweise Rollläden mit elektrischem Antrieb verwenden!) sowie nicht vollfugig vermauertes Außenmauerwerk (insbesondere an den Stoßfugen).

Die Durchführung eines Blower-Door-Tests erfordert spezielles Gerät sowie einige Fachkenntnisse, so dass dieser nur von entsprechend qualifizierten Fachleuten durchgeführt werden sollte. Bedenken Sie bitte, dass sich auch in diesem Bereich „schwarze Schafe“ tummeln, die für vermeintlich „billiges Honorar“ einen solchen Test durchführen wollen. Bei seriösen Anbietern betragen die Kosten für die Durchführung eines solchen Tests für ein übliches Einfamilienwohnhaus etwa 500 bis etwa 1000 Euro, bei größeren Wohnanlagen oder bei gewerblich genutzten Objekten entsprechend mehr. Diese Kosten rechnen sich jedoch in jedem Falle durch die mögliche Einsparung von Wärmdämmstoffen und belohnen Sie gleichzeitig mit einem bauphysikalisch besseren Wohnklima!

siehe auch:
- Anemometer
- Beaufortskala
- Behaglichkeit
- Blockhausbau
- Dampfbremse
- Dampfsperre
- Energieeinsparverordnung
- Leckagen
- Luftdichtheit
- Lüftungstipps
- Niedrigenergiehaus
- Passivhaus
- Taupunkt
- Thermografie
- Winddichtheit