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Prüfingenieur für Baustatik

»Prüfingenieure für Baustatik« fungieren ähnlich wie Notare als »beliehene Unternehmer« und somit als Hilfspersonen der Bauaufsichtsbehörde, fast schon „klassisch“ ist seine Tätigkeit bei der Wahrnehmung der Überwachungspflichten des Staates. Der Prüfingenieur für Baustatik (in einigen Bauordnungen wird dieser inzwischen auch als Prüfingenieur für Bautechnik bezeichnet) überprüft die bautechnischen Nachweise (Standsicherheit, konstruktiver Brandschutz, Wärme- und Schallschutz, Ausführungskontrolle) von Bauwerken aller Art, von der Garage über das Wohnhaus, von Krankenhäusern, Bürogebäuden, Industrieanlagen bis hin zum Hochhaus. Durch seine besonders hohe Qualifikation, über die ein Prüfingenieur verfügen muss, ist er in der Lage, die statischen Berechnungen und die übrigen bautechnischen Nachweise auch für schwierigste Bauvorhaben alleinverantwortlich zu überprüfen und zu beurteilen, um so Schäden für Leben und Gesundheit der Nutzer solcher Gebäude zu verhindern. Da er unabhängig von den anderen am Bau beteiligten Planern arbeitet und in der Regel von der Unteren Bauaufsichtsbehörde, in einigen Landesbauordnungen jedoch auch direkt durch die Bauherrschaft beauftragt wird, kann er im Sinne des Verbraucherschutzes vorbeugend tätig werden, das damit verbundene und seit Jahrzehnten bewährte »Vier-Augen-Prinzip« garantiert dem Bauherrn eine höhere Planungs- und Ausführungsqualität.

Folgende Punkte sind in rechtlicher Hinsicht kennzeichnend für seinen Status und seine Funktion:

• Er nimmt seine Aufgabe im Rahmen der Bauaufsicht wahr und ist als Hilfsperson der Verwaltung, dem ein Teil der hoheitlichen Aufgabe übertragen wurde, „beliehener Unternehmer“. Die Einschaltung eines Prüfingenieurs dient der Entlastung und Unterstützung der Verwaltung durch Bereitstellung von speziellem Fachverstand bzw. zusätzlicher Kapazität.

• Nach der Bauprüfverordnung wird er tätig in der präventiven Phase.

• Er wird tätig im Auftrag der Bauaufsichtsbehörde, die auch das Honorar schuldet. Das Honorar bestimmt sich nach einer staatlichen Gebührenordnung.

• Obwohl Privatperson, wird der Prüfingenieur, soweit er als solcher von der Bauaufsicht beauftragt wird, hoheitlich tätig. Für Mängel seiner Arbeit haftet daher der Staat nach Art. 34 GG, § 839 BGB; damit entfällt eine unmittelbare Haftung des Prüfingenieurs. Die Haftung gegenüber den Geschädigten ist beschränkt auf Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit; weiterhin besteht ein Anspruch des Geschädigten nur subsidiär, d.h. nur dann, wenn eine dritte Person nicht zur Haftung verpflichtet ist. Der Prüfingenieur kann aber im Haftungsfall vom Staat in Regress genommen werden.

Prüfingenieur für Baustatik kann nur werden, wer über ein abgeschlossenes Studium des Bauingenieurwesens an einer Hoch- oder Fachhochschule verfügt, mindestens 10 Jahre Berufserfahrung im Aufstellen und Prüfen schwieriger und schwierigster Bauvorhaben nachweist und davon mindestens 1 Jahr lang eine Baustelle geleitet hat, über einen einwandfreien Leumund verfügt, selbstständig (freiberuflich tätig!) und mindestens 35 Jahre (und höchstens 60 Jahre bei Antragsstellung) ist und seine Qualifikation in einer schriftlichen und/oder mündlichen Prüfung nachweist. Da ein Prüfingenieur für Baustatik frei von wirtschaftlichen Interessen sein muss, kann er nicht gleichzeitig Teilhaber oder Inhaber einer Baufirma oder einer Firma sein, die Baustoffe oder sonstige Materialien für Bauwerke liefert, d.h. der Prüfingenieur muss in dieser Funktion in jedem Falle freiberuflich tätig sein. Nach Erfüllung aller Voraussetzungen und Bestehen der Prüfung, die bei der Obersten Bauaufsicht des jeweiligen Bundeslandes absolviert wird, erfolgt dann die Ernennung zum Prüfingenieur für Baustatik durch den Innen- oder Wirtschaftsminister des Bundeslandes, in der er die Zulassung angestrebt hat und in dem sich sein Bürositz befindet. Die Prüfingenieure für Baustatik sind gemäß den Bauordnungen der verschiedenen Bundesländer auch in den anderen Bundesländern anerkannt.

Durch die Entwicklungen in der Bautechnik ist es bereits seit geraumer Zeit unverzichtbar, dass sich auch die Prüfingenieure für Baustatik spezialisieren (müssen), d.h., es werden bundesweit einheitlich drei Fachrichtungen anerkannt: Massivbau, Metallbau (Stahlbau) und Holzbau. Selbstverständlich ist es möglich, eine Anerkennung auch in mehr als einer Fachrichtung zu erlangen. Bis zum mittleren Schwierigkeitsgrad (entspricht der Bauwerksklasse 3 bzw. der Honorarzone 3 der HOAI) ist es aufgrund der allgemeinen hohen Qualifikation des Prüfingenieurs für Baustatik nach den Bauordnungen der Bundesländer gestattet, auch die Projekte derjenigen Fachrichtungen zu prüfen und zu bearbeiten, die nicht seiner Hauptfachrichtung entsprechen.

Die Anerkennung als Prüfingenieur für Baustatik erlischt spätestens mit dem 68. Lebensjahr, in einigen Bundesländern bereits mit dem 65. Lebensjahr, und zwar unabhängig davon, wie der Gesundheitszustand und das fachliche Können sind. Damit wird verhindert, dass jemand noch im hohen Alter als Prüfingenieur fungiert, obwohl evtl. gesundheitliche Probleme (sowohl körperlicher als auch geistiger Art) es nicht mehr zulassen (könnten), eine statische Berechnung zu prüfen oder eine Baustelle zu betreten und abzunehmen.

Wenn Sie als Bauherr einen Prüfingenieur für Baustatik durchgängig mit der Prüfung und Überwachung Ihrer Baumaßnahme im privaten Auftrag beauftragen (wie dies inzwischen in vielen Bundesländern möglich ist), erhalten Sie die Garantie, dass Ihr Bauwerk zumindest im Rohbau mängelfrei ausgeführt wird. Der Prüfingenieur überprüft dazu im Sinne des Verbraucherschutzes alle bautechnischen Nachweise auf Einhaltung der aktuellen Normen, kontrolliert die Ausführungspläne (Konstruktionspläne) auf Übereinstimmung mit den bautechnischen Nachweisen und überwacht dann die Ausführung der Bauarbeiten (z.B. durch Überprüfung der richtigen Lage und Größe der statisch erforderlichen Deckenbewehrung oder der Betondeckung, die auch für den Brandschutz eine bedeutende Rolle spielt). Durch seine fachliche Weisungsbefugnis gegenüber den Bauhandwerkern und dem Bauleiter bezüglich der statisch-konstruktiven Belange ist er in der Lage, erkennbare Fehler in der Ausführung bereits im Vorfeld beseitigen zu lassen. Durch diesen finanziell relativ geringen Einsatz wird Ihnen gleichzeitig ein hohes Maß an Bauqualität garantiert, da eine Baustelle bereits automatisch besser arbeitet, wenn dort bekannt ist, dass der Prüfingenieur für Baustatik die Ausführungskontrolle durchführt. Schon Lenin hat zutreffend gesagt:

• „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“

Dem ist nichts hinzuzufügen, wie die tagesaktuellen Debatten aus dem Lebensmittelbereich und die Errichtung eines Verbraucherschutzministeriums eindeutig belegen.

siehe auch:
- Alptraum
- Balkonabsturz
- Baumurks
- Baupfusch
- Dacheinsturz
- Deregulierung
- Gefahrenabwehr
- Handwerkspfusch
- Pfusch am Bau
- Prüfpflicht
- Prüfverzicht
- QS
- Tragwerksplanung
- Statik
- Vier-Augen-Prinzip