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Putze

Unter »Putzen« oder »Verputzen« versteht man das Aufbringen eines Mörtelbelages aus mineralischen Bindemitteln mit oder ohne organischen Zuschlag auf Außen- und Innenwände, Stützen und Pfeilern sowie Decken. Nach den Anforderungen, die an Putzflächen gestellt werden, ist das Putzverfahren vom Putzaufbau zu unterscheiden. Werden Gipskartonplatten ohne Unterkonstruktion durch Ansetzgips an Innenwänden befestigt, so spricht man von Trockenputz oder Wandtrockenputz. Zur Wärmedämmung werden Wärmedämmputzsysteme und Wärmedämmverbundsysteme eingesetzt. Besondere Bedeutung kommt dabei der Vermeidung von Putzschäden zu.Nach DIN 18550 besteht Putz im Normalfall aus einem Mörtelbelag, der in einer bestimmten Dicke an Wänden und Decken ein- oder mehrlagig aufgetragen wird. Putze erfüllen dabei folgende wichtige Aufgaben:• sie schaffen ebene Oberflächen, die z.B. als Untergrund für Anstriche und Tapeten geeignet sind,• in Bezug auf Feuchte-, Wärme-, Schall-, Brand- und Strahlenschutz übernehmen sie wesentliche bauphysikalische Funktionen,• sie dienen zur architektonischen Gestaltung eines Hauses oder eines Raumes.Putzmörtel ist ein Gemisch aus einem oder mehreren Bindemitteln, Zuschlag und Wasser, ggf. auch Zusätzen. Als Bindemittel werden sowohl mineralische Bindemittel nach DIN 18550 als auch organische Bindemittel (Kunstharzputze) nach DIN 18558 verwendet. Mineralische Bindemittel sind Baukalke (DIN 1060), Zemente (DIN 1164), Baugipse (DIN 1168), Anhydritbinder (DIN 4208), Putz- und Mauerbinder (DIN 4211) sowie bauaufsichtlich zugelassene Bindemittel. Die mittlere Putzdicke soll bei Außenputzen normalerweise etwa 20 mm betragen, bei Innenputzen 10 bis 15 mm. Wie bei Mauermörtel wird auch bei Putzen in Werk- und Baustellenmörtel unterschieden.Nach der Art ihrer Oberflächenbearbeitung und der dadurch entstehenden Struktur werden die Putze unterteilt in:• Gefilzter oder geglätteter Putz• Geriebener oder Reibputz• KellenstrichputzKellenwurfputzSpritzputzWaschputzArbeitsweisen:Zum Putzen sind Putzwerkzeuge notwendig, womit die Putzlagen gleichmäßig dick aufgetragen werden. Das Putzen kann von Hand oder mit der Putzmaschine erfolgen. Die Putzwerkzeuge dienen zum Anwerfen, Aufziehen, Glätten sowie Aufreißen und Prüfen lotrechter, waagerechter und geneigter Putzflächen. Wichtige Werkzeuge sind Kelle, Glätter (Traufel), Aufzieher, Reibebrett, Filzscheibe, Richtscheit und Lehrlatte.Witterungseinflüsse müssen sowohl beim Herstellen von Außenputzen als auch von Innenputzen berücksichtigt werden. Sind die Putzflächen dem Regen ausgesetzt oder wenn Frostgefahr besteht, dürfen Putzarbeiten nicht ausgeführt werden. Zu schnelles Austrocknen von Außen- und Innenputzen durch starke Sonneneinstrahlung oder Zugluft sind durch besondere Schutzmaßnahmen (Nachbehandlung) zu vermeiden.Beim Putzen von Hand ist der Mörtel mit der Putzkelle kräftig anzuwerfen, um die Luft aus den Oberflächenporen des Putzgrundes zu verdrängen und damit eine ausreichende Putzhaftung zu erzielen. Eine nächste Lage Mörtel darf erst angeworfen werden, wenn die vorhergehende so weit erhärtet ist, dass sie die neue Putzlage tragen kann.Das Putzen mit Maschine wird am häufigsten ausgeführt. Dabei erfolgt der Putzauftrag mit einer Putzmaschine, die aus einem Mischpumpenmodul mit Förderpumpe, einem Behälter- oder Siloanschlussmodul sowie einem Steuerungsmodul besteht. Die Mischpumpe ist über den Förderschlauch mit dem Mörtelauftraggerät (Spritzkopf) verbunden.Putzweisen:Die Putzweise ist das Verfahren, die Oberfläche eines Putzes zu bearbeiten und zu gestalten. Man unterscheidet nach DIN 18550 z.B. gefilzten oder geglätteten Putz, Reibeputz, Kratzputz, Spritzputz, Kellenstrichputz, Scheibenputz, Kellenwurfputz und Waschputz. Besondere Putzweisen sind z.B. Sgraffito, Stuck als Stuckputz, Stuckmarmor und Stuckolustro sowie der Lehmputz. Diese Putzweisen können je nach Bindemittel bei Innen- oder Außenputzen angewendet werden.Der Mörtel für Glätt- und Reibeputze soll möglichst wasserarm sein. Er ist in kleinen Flächen anzuwerfen und in gleichmäßigen Arbeitsgängen fertigzustellen. Reiben oder Glätten darf nicht zu lange erfolgen. Sobald die Putzoberfläche blank wird, muss man mit Glätten bzw. Reiben aufhören. Bei zu langem Abreiben wird die Mörteloberfläche mit übermäßig viel Bindemittel angereichert, wodurch Schwindrisse entstehen. Die Putzoberfläche ist in der Regel eben auszuführen - es sein denn, dass Unebenheiten ausdrücklich erwünscht sind. Unebenheiten und Fluchtabweichungen dürfen nicht sichtbar sein. Da die Putzoberfläche in Handarbeit hergestellt wird, ist eine völlig planebene Oberfläche nicht realisierbar.Durch kurzfristig einfallendes Sonnenlicht auftretende Schlagschatten sind zulässig. Bei besonderen Anforderungen, wie z.B. Streiflichtsituation und/oder speziellen Oberflächenqualitäten (z.B. Glanz, Glätte, Körnung des Oberputzes <= 2 mm) sind geeignete Maßnahmen einzuplanen). Das optische Erscheinungsbild der Oberfläche muss gleichmäßig sein.Der Kratzputz gehört zu den Rauputzen. Durch Kratzen wird die bindemittelreichere Oberschicht aufgeraut; die Schwindrissbildung wird dadurch vermieden. Zum Kratzen eignen sich z. B. Nagelbretter. Gekratzt werden darf erst bei geeigneter Putzhärte, die Voraussetzung für das sauber abspringende Korn ist. Die Putzfläche ist anschließend mit einem weichen Besen abzukehren.Der Spritzputz hat eine ähnliche Oberfläche wie der Kratzputz. Er wird häufig mit dem maschinellen Putzgerät aufgetragen. Der Mörtel soll aus feinkörnigen Sanden bestehen. Eine gleich mäßige Oberfläche lässt sich durch mehrmaliges Spritzen erreichen. In der Regel erfolgt dies in drei Lagen, wobei jede Lage in eine andere Richtung zu spritzen ist.Der Kellenstrichputz ist dadurch gekennzeichnet, dass der angeworfene und angezogene Mörtel mit einer Glättkelle verdichtet wird. Der einzelne Kellenstrich bleibt jedoch sichtbar. Er kann waagerecht, bogenförmig oder fächerförmig geführt werden, wodurch sich jeweils eine andere Oberflächenwirkung ergibt.Die Struktur des Scheibenputzes entsteht beim Verreiben der Oberschicht durch das Grobkorn. Das Grobkorn von 2 mm oder 4 mm bei Sanden rollt dabei auf dem festen Untergrund und bildet Rillen. Mit dem Reibebrett kann waagerecht, senkrecht oder bogenförmig verrieben werden.Der Kellenwurfputz erhält seine Oberfläche durch das Anwerfen des Mörtels mit der Kelle. In der Regel wird ein Zuschlag grober Körnung bis etwa 10 mm verwendet. Der Kellenwurfputz gehört zu den sehr rauen Putzen.Das Sgraffito ist ein aus mehreren farbigen Putzlagen herausgekratztes Bild mit Linien- oder Flächenstruktur. Die einzelnen Lagen dieses Putzes heißen Unterputz, Kratzgrund und Kratzschicht. Der Kratzgrund umfasst die farbigen Schichten, die einzeln nacheinander mit jeweils 5 mm Dicke aufgetragen werden. Die Deckschicht als Kratzschicht besteht in der Regel aus einem hellen Mörtel. Das Herstellen des Sgraffitos erfordert genaue Zeichnungen und Schablonen sowie eine geübte Hand.Mit Stuck bezeichnet man einen Stuckputz, der nach dem Auftragen durch Ziehen oder Abscheiben mit Lehren oder Schablonen geformt wird. Für Stuckputz eignet sich am besten Gipsmörtel, dem für längere Verarbeitungszeiten Leim oder Verzögerer zugesetzt werden können.Der Mörtel für Stuckmarmor wird aus feinem Alabastergips oder Marmorgips unter Beimischung von Farbpigmenten hergestellt und auf den Putzgrund aus Stuckgips aufgetragen. Die gespachtelte und polierte Oberfläche, die dem nachzuahmenden Marmor entsprechen muss, ist nach dem Austrocknen zu wachsen.Als Stuckolustro, der sich auch als Außenputz eignet, bezeichnet man eine dem Stuckmarmor ähnliche Putzoberfläche, bei der Kalk als Bindemittel verwendet wird. Der Putzaufbau besteht aus drei Schichten, wobei als letzte Schicht ein Marmormörtel aus pigmentiertem Kalkteig verwendet wird. Diese wird nach dem Erhärten mit einem erwärmten Stahl geglättet und eingewachst.Als Naturbaustoff findet Lehmputz im Zusammenhang mit dem ökologischen Bauen und der Erhaltung alter Bausubstanz Verwendung. Lehmputze werden über Lehmsteinmauerwerk und Lehmfüllungen mit eingebundenem Stroh- oder Schilfhäcksel in Holzbalkendecken oder Fachwerkwänden aufgezogen. Der lehmgebundene Mörtel besteht meist aus einer Mischung von Lehm, Quarzsand und Kalkhydratteig. Als Zusätze können feines Strohhäcksel, Rinderhaare sowie Molke und Quark beigemischt werden. Er kann dünnschichtig als Innenputz oder mehrschichtig als Außenputz mit glatter, geriebener oder strukturierter Oberfläche aufgetragen werden.Putzaufbau:Der Aufbau des Putzes richtet sich nach den Putzanforderungen und dem Putzgrund. Die Putzlagen werden in mehreren Arbeitsgängen aufgetragen, um die geforderten Putzdicken für den Putzaufbau zu erreichen.Die Anforderungen an Putze sind nach der Putzanwendung für Außenputze und Innenputze verschieden. Besondere Anforderungen können z.B. an Sockelputze oder wasserabweisende Putze gestellt werden.Außenputze müssen witterungsbeständig sein. Die Beanspruchung durch Frost, Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung darf nicht zur Zerstörung führen. Deshalb bestehen Außenputze in der Regel aus Kalk und Zementmörteln. Das bauphysikalische Verhalten der Putze wird besonders vom Saugverhalten und von der Wasserdampfdurchlässigkeit bestimmt. Zementmörtel haben im Allgemeinen ein geringes Saugvermögen.Außenputze bewohnter Räume müssen ausreichend wasserdampfdurchlässig sein, um bei der Dampfdiffusion von innen nach außen keinen Feuchtigkeitsstau auf der Innenseite des Außenputzes entstehen zu lassen. Wasserhemmende und wasserabweisende Putze vermindern das Eindringen des Regenwassers, müssen aber wasserdampfdurchlässig sein. Diese Anforderungen können mit Mörtel der Gruppen P II bzw. P II a bei günstigem Kornaufbau erreicht werden. Wasserabweisende Putze aus Mörtel der Gruppen P II und P III mit und ohne chemische Zusätze sind dicht gegen drückendes Wasser. Ihre Wasseraufnahme ist sehr gering. Diese Putzart eignet sich besonders für Sockelputze und für Kellerwandaußenputze.Mit Innenputzen werden ebene Flächen an Decken und Wänden hergestellt. Ihre feuchteregelnde Eigenschaft fördert die Behaglichkeit der Räume. Um ebene Flächen zu erhalten, werden häufig dünne Feinschichten aufgetragen. Mit dem Aufbringen der Feinschicht sollte so lange gewartet werden, bis der Unterputz erhärtet ist. Bei Feinschichten aus Baugips ist der Unterputz aus Mörtel der Gruppe P I mit Gipszusatz oder aus Mörtel der Gruppen P II oder P IV auszuführen. Die raumklimaregelnde Eigenschaft des Innenputzes beruht vor allem auf der Wasserdampfaufnahme und -abgabe innerhalb bewohnter Räume.Putzgrund:Als Putzgrund wird die zu putzende Fläche bezeichnet; sie kann rau oder glatt sein.Rauer Putzgrund, z.B. Leichtbetonsteine aus Naturbims, bieten dem Mörtel genügend Haftfähigkeit. Der kräftig anzuwerfende Mörtel dringt in die Hohlräume des Putzgrundes ein und kann sich gut verzahnen.Glatter Putzgrund bietet dem Mörtel nicht genügend Haftfähigkeit, z.B. bei Beton, Ziegel- und Kalksandsteinmauerwerk oder auch bei Holz und Stahl. Bei glattem Putzgrund erreicht man eine bessere Haftfähigkeit durch einen Spritzbewurf oder durch Anbringen von Putzträgern. Für den Spritzbewurf ist Mörtel der Gruppen P II bis P V zu verwenden. Der Sand soll grobkörnig sein. Der Spritzbewurf wird mit der Kelle angeworfen. Auf den Spritzbewurf darf Putz erst dann aufgetragen werden, wenn der Bewurf mit der Hand nicht mehr abgerieben werden kann; in der Regel sind 12 Stunden zu warten. Putzträger, z.B. Holzwolle-Leichtbauplatten, Gipskarton-Putzträgerplatten, Metallputzträger, Rohrmatten oder Ziegeldrahtgewebe, sind ausreichend zu befestigen.Die in getrennten Arbeitsgängen aufzubringenden Schichten bezeichnet man als Putzlagen, die in Putzsystemen aufeinander abgestimmt sind. Die unteren Lagen nennt man Unterputz, die obere Lage Oberputz. Der Oberputz bestimmt das Aussehen der Putzfläche oder dient als Untergrund für die weitere Wandbehandlung. Die physikalischen Eigenschaften des Putzes, z.B. die Saugfähigkeit oder die Festigkeit, sind hauptsächlich vom Unterputz abhängig. Der Unterputz hat bei Außenputzen in der Regel eine mittlere Dicke von 20 mm, der Oberputz kann bis 5 mm dick sein. Daraus ergibt sich für zweilagige Außenputze eine Dicke von etwa 2,5 cm. Damit der Oberputz sich fest mit dem Unterputz verbinden kann, muss der Unterputz rau sein. Die Putzlagen sind in ihrer Mörtelzusammensetzung so aufeinander abzustimmen, dass der Oberputz gegenüber dem Unterputz üblicherweise eine geringere Festigkeit aufweist. Dadurch unterscheidet sich der Putzaufbau von Außenputzen und Innenputzen.Die Putzanwendung legt den Putz nach seiner Lage im Bauwerk fest. Dadurch ergeben sich die jeweilige Beanspruchung und das notwendige Putzsystem. Andere Putzsysteme als nach DIN 18550 können verwendet werden, wenn ein Eignungsnachweis geführt wird. Bei Außenputzen unterscheidet man Wandputze auf Flächen über dem Sockel, auf Kellerwänden, auf Außensockeln sowie Deckenputze auf Deckenuntersichten.Bei Innenputzen unterscheidet man Wand- und Deckenputze für Räume üblicher Luftfeuchte einschließlich häuslicher Küchen und Bäder und für Feuchträume bei langzeitig einwirkender Feuchtigkeit. Sie werden fast ausschließlich als Leichtputze (Einlagenputze) oder Mörtelgruppen P Ic, P II und P IV ausgeführt. Diese können ohne Putzgrundvorbehandlung in einem Arbeitsgang aufgetragen werden. Um die notwendige Feuchtigkeit des Einlagenputzes zu erreichen, muss das Gewicht durch Luftporenbildner verringert werden. Deshalb spricht man auch von Luftporenputz. Außerdem verbessern sich die Wärmedämmung und die Wasserdampfdurchlässigkeit, wobei die Wasseraufnahmefähigkeit verringert wird. Innenputze sollen im Mittel 1 cm dick sein. Um gleichmäßig dicke und fluchtgerechte Putzflächen zu erzielen, können Putzlehren oder Putzleisten als Abziehhilfen auf dem Putzgrund eingebaut werden. Aus Rationalisierungsgründen können vor allem Innenputze auch als Dünnlagenputze (Spachtelputze) mit einer Dicke von 3 mm bis 5 mm aufgetragen werden. Voraussetzung dafür sind jedoch ebene Untergründe aus Beton oder Mauerwerk aus Plansteinen.siehe auch:- Eckenschutzleiste- Eckwinkel- Edelputz- Faser-Leichtputz- Freskomalerei- Kantenschutzleiste- Kartätsche- Kelle- Lüftelmalerei- Mörtel- Putzmörtel- Putzträger- Reibebrett- Sgraffito- Traufel- Wabenputz- Waschputz- Wellenputz- Würmerputz