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Mauerwerk

Mauern ist eine der ältesten Methoden der Menschheit, Bauwerke zu errichten. Zur Erstellung eines Mauerwerks werden künstliche oder natürliche Steine lagenweise aufeinander geschichtet, dabei wird zur besseren Verbindung der Steine in der Regel Mörtel eingesetzt, unvermörteltes Mauerwerk bezeichnet man als Trockenmauerwerk. Die Steine der ersten und der nächsten Lage werden zur Erhöhung der Standsicherheit gegeneinander versetzt (Mauerwerksverband). Mauerwerk kann sowohl vertikale als auch horizontale Lasten aufnehmen und ableiten. Früher wurden deshalb auch Bögen (bei Brücken), Kuppeln (in Kirchen) und Türme in Mauerwerk aufgeführt. Heute ist das Mauerwerk im industriellen Bauen meist von den rationeller einzusetzenden Gusstechniken (Stahlbeton) verdrängt worden, im Wohnungsbau hat es aber seinen Platz behalten und erlebt zur Zeit sogar, durch Einsatz neuer Steinsorten und verbesserter Mauerwerktechniken, einen neuen Aufschwung.

Für hohe Belastungen kann Mauerwerk auch als bewehrtes Mauerwerk ausgebildet werden - hierzu wird Bewehrung in die Mörtelfugen gelegt. Nach DIN 1053 unterscheidet man verschiedene Mauerwerkskonstruktionen, vom einschaligen massiven Mauerwerk bis hin zu mehrschaligen Aufbauten mit und ohne Luftschicht. Die mehrschaligen Aufbauten dienen nicht der Erhöhung der Tragfähigkeit, sondern der Verbesserung der Schlagregensicherheit und der Wärme- und Schalldämmung. Eine ausreichende Schlagregensicherheit kann auch durch mehrlagige mineralische Putze erreicht werden.

Im Inneren von mehrschaligen Mauerwerkswänden werden heute fast immer Wärmedämmstoffe (Mineralwolle, Polystyrol, Polyurethan) eingesetzt. Prinzipiell kann man sagen: vom einschaligen zum mehrschaligen Mauerwerk steigt die Wärmedämmfähigkeit, die Konstruktion wird gleichzeitig komplizierter und anfälliger für Ausführungsfehler, diese können so gravierend sein, dass der gewünschte Effekt der verbesserten Wärmedämmung zunichte gemacht wird. Gleichzeitig sinkt, durch die innige Verbindung von mineralischen und organischen Baustoffen (organisches Dämmmaterial, Klebstoffe) und metallischen Baustoffen (Anker, Verschraubung) die Recyclingfähigkeit des Mauerwerks. Der Einsatz von Dämmstoffen innerhalb oder auf dem Mauerwerk vermindert bzw. verhindert die Nutzung der passiven Solarenergie.

Entwicklung:

Mauerwerk ist ein Gefüge aus natürlichen oder künstlichen Steinen oder Kombination verschiedener Materialien, meist mit Mörtelbindung, d. h. mit Mörtel. Wo dieser Mörtel fehlt, beispielsweise bei Mauerwerk aus unbehauenen oder nur wenig bearbeiteten Steinen sowie bei sorgfältig gearbeiteten Werksteinmauern, spricht man von »Trockenmauerwerk«. Je geringer die Spaltmaße der Fugen von handwerklich bearbeiteten Natursteinen sind, desto größer wird auch die Tragfähigkeit eines daraus hergestellten Trockenmauerwerks, wenn sich die Steinformen weiterhin jeweils einem Quader annähern. Das Gegenstück zum massiven Vollmauerwerk ist das wegen seiner Hohlräume so bezeichnete, aus zwei miteinander verbundenen Mauerschalen bestehende »Hohlmauerwerk« oder auch »zweischaliges Mauerwerk«. Beim antiken Mauerwerk ermöglichen die Konstruktionsweisen, in der römischen Kaiserzeit die Materialbeschaffenheit (Schichthöhe der Mörtelfugen und andere Maße) sowie die vor allem im 2. Jahrhundert auf den Ziegeln angebrachten Werkstattstempel eine Datierung.

Frühzeit und Vorderer Orient:
Beim Mauerwerk aus Naturstein sind die Formen weitgehend vom ursprünglichen Zustand und der Bearbeitungsart des verwendeten Materials abhängig. Im Vorderen Orient gab es zuerst nur Lehmmauerwerk. Älteste prähistorische Beispiele für das mit Feldsteinen vermischte Lehmmauerwerk in Tell M´lefaat am Khazir/Irak (Hausmauern, 8. - 7. Jahrtausend v. Chr.). In den frühesten Hausbauten von Jericho und Catal Hüyük (ca. 7. und 6. Jahrtausend v. Chr.) ist bereits der quaderförmige, luftgetrocknete Lehmziegel anzutreffen. In Mesopotamien wurde dieser Lehmziegel vermutlich aus dem Gebiet des heutigen Irans übernommen. Als Bindemittel diente bei dieser Bauweise Lehmmörtel. Hausfundamente aus Backsteinen sind in der Siedlung von Qal´at Dscharmo bei Kirkuk/Nordirak (ca. 6. Jahrtausend v. Chr.) nachgewiesen. Die Assyrer erstellten ihre Festungs- und Palastbauten in größerem Umfang mit dem verwandten Steinmauerwerk. Im alten Ägypten benutzte man bereits am Ausgang der prädynastischen Zeit Blöcke aus gebrochenem Felsgestein für Prunk- und Sakralbauten. Steinmauern weisen auch die Architekturreste von Troja I (1. Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr.) auf.

Im mitteleuropäischen Neolithikum (Jungsteinzeit) bildete die Mischung von Lehm und Steinkleinschlag das Baumaterial für Hausgrundmauern. Vor etwa 5000 Jahren wurden beim Bau der Dolmen und Großsteingräber die Lücken zwischen den großen Wandsteinen mit flachen Steinplatten und Lehmmörtel verfüllt. Die Häuser der Hallstattzeit (Kulturperiode am Anfang der älteren Eisenzeit) standen häufig auf Steinsockeln, die als Trockenmauern ausgebildet waren. In der La-Téne-Zeit (5. - 1. Jahrhundert v. Chr.) bestanden die Umfriedungen von Siedlungen aus Steinen. Eine Sonderform im altvorderasiatischen Mauerbau ist das Kastenmauersystem, mit einem Natursteinkern zwischen Verschalungsmauern, die durch Querstege mit der Hauptmauer verbunden sind, sodass ein Kastensystem entsteht. Die Kästen wurden mit Steinen und Lehm ausgefüllt, ihre Sockelmauern bestanden aus Bruchsteinen. Murus Gallicus oder opus Gallicum war ein keltisches vernageltes Holz-Kastenwerk mit Steinfüllung für Befestigungsmauern (Ende 2. und 1. Jahrhundert v. Chr.). Die Außenfront bestand aus behauenen Steinen, wobei die Balkenköpfe sichtbar waren. Hauptverbreitungsgebiet war Gallien und ostwärts bis Manching südöstlich von Ingolstadt.

Griechisches Mauerwerk: Die ältesten Bauwerke im ägäischen Gebiet wurden aus kleinformatigem Bruchstein, Lehm und Holz errichtet - Baustoffen, die auch während der klassischen Zeit das bevorzugte Material für Bauwerke untergeordneter Bedeutung blieben. Es gab Mauerstrukturen, die Holzgerüste mit Massivstoffen verbanden. Lehm fand nich nur als Bindemittel Verwendung, sondern auch als Füllstoff, Wandputz und in Form von Lehmziegeln. Solche Lehmziegel, die unter Zusatz von organischen Stoffen (Gras, Stroh) geformt an der Sonne getrocknet wurden, haben sich z. B. in der Stadtmauer von Gela (Sizilien) erhalten. Burgen der mykenischen Kultur besitzen Befestigungsmauern aus so genanntem kyklopischem oder pelasgischem Mauerwerk, eine der ältesten, bis in frühgeschichtliche Zeit zurückreichenden Arten des Mauerwerks. Es besteht aus sehr großen, meist etwas unregelmäßigen, manchmal annähernd quadratischen Steinen oder Felsblöcken, die unbehauen oder nur grob zugeschlagen und als Trockenmauer fugendicht zusammengefügt waren, sodass vielfach eine ziemlich glatte Außenfläche entstand. Soweit Zwischenräume zwischen den einzelnen Blöcken auftraten, wurden sie mit kleineren Steinen ausgefüttert. Die Festigkeit ergab sich aus dem hohen Reibungswiderstand und dem Gewicht der Blöcke. Zyklopenmauerwerk kommt an den frühesten Bauten des Mittelmeergebietes (Burgmauer von Mykene aus dem 14. Jahrhundert v. Chr., Tiryns, Argos, Balearen, Malta, Etrurien) sowie in anderen steinreichen Gegenden vor. Herausragende Beispiele für hochwertiges Zyklopenmauerwerk, bestehend aus riesigen Granitblöcken, haben die Inkas in Peru hinterlassen, beispielsweise an Häusern in Cuzco oder den Festungsmauern von Sacsayhauman und Ollantaitambo.

Polygonalmauerwerk besteht wie das Zyklopenmauerwerk aus rohen Steinen. Diese sind jedoch an den Seiten unter ungefährer Beibehaltung ihrer ursprünglichen Form so behauen, dass sich in der Ansichtsfläche Vielecke mit ungleichmäßigen Seitenlängen ergeben. Die so bearbeiteten Blöcke wurden in möglichst dichten Fugen und meist ohne Bindemittel neben- und aufeinandergelegt und bildeten entweder ein reines Polygonnetz ohne Einhaltung einer bestimmten Richtung oder ein von einzelnen waagerechten Schichtungen unterbrochenes Polygonnetz (Beispiele in Mykene, Korinth, Epirus, Ostia, Norba wie an vielen anderen antiken Stätten vom 7. - 3. Jahrhundert v. Chr.). Hierbei unterscheidet man typologisch verschiedene Stufen. Unregelmäßiges Polygonalmauerwerk weist noch einen relativ ungleichmäßigen Fugenverschluss auf (z. B. in Delphi mit der ältesten Temenosmauer des Apollonbezirkes). Beim kanonischen Polygonalmauerwerk sind die Fugen der Steine bereits exakt gearbeitet, lediglich die Ansichtsfläche blieben roh. Eine Sonderform ist das lesbische (Lesbos = griechische Insel) Mauerwerk (Kurvenpolygonal), das in der Ansicht gewellte Lagerfugen aufweist (ebenfalls Delphi, Stützmauer des Apollontempels, 6. Jahrhundert v. Chr.). In Italien tritt das Polygonalmauerwerk seit Ende des 6. Jahrhundert v. Chr. als »opus siliceum« in verschiedenen Arten auf: aus roh behauenen Blöcken als unregelmäßiges Polygonalmauerwerk mit starker Bosse; als ein auf Fugen geschnittenes Polygonalmauerwerk und als aus meist in Horizontalschichtung verlegten, trapezförmig zugehauenen Blöcken.

Wichtigste Art des Werk-(Hau-) Steinmauerwerks wurde das Quadermauerwerk; es besteht aus großen, massiven, rechteckig behauenen Blöcken aus Kalkstein, Tuff, Marmor usw., deren Ansichtsfläche gewöhnlich nur geglättet ist. Die Quader wurden in bindemittelloser Fugung horizontal versetzt und durch Metallklammern und -dübel verbunden. Ihre großen und voll ausgenutzten Auflageflächen bewirkten hohe Standfestigkeit. In Läufer- und Binderschichten auf zwei Arten verlegt: mit gleichgroßen Quadern und somit in gleich hohen Schichten mit regelmäßigem Fugenwechsel (opus isodonium) oder mit verschieden großen Quadern und somit in verschieden hohen Schichten (opus pseudoisodomum). Quader wurden vor allem für Umfassungsmauern und Hauskanten wie überhaupt zur Einfügung in andere Bauteile verwendet (die Bodensockel an den Kirchen und Palästen der Renaissance und des Barocks bestehen vielfach aus Quadermauerwerk). Das griechische Quadermauerwerk findet sich im 6. Jahrhundert v. Chr. an monumentalen Bauwerken.

Eine typologische Zwischenstufe zwischen polygonalem und Quadergefüge bildet das trapezoidale Mauerwerk, dessen Struktur (parallele Lager- und schrägverlaufende Stoßfugen bei Bemühen um konstante Schichthöhe) sich vom 5. bis Ende des 4. Jahrhundert v. Chr. hielt. Kennzeichnend für das Quadermauerwerk ist die präzise Ausführung der einzelnen Werkstücke. Die Verklammerungstechnik stammte aus dem Osten und war als Vorsichtsmaßregel gegen Erdbebengefahren notwendig. Die dazu in das Mauerwerk verlegten Metalle (häufiger Eisen als Bronze) waren allerdings auch die Ursache dafür, dass es später zu schweren Schäden an diesem Mauerwerk kam, weil das Metall Ziel von Räubern war.

Eine arbeitssparende Methode, die bereits in mykenischer Zeit aus Ägypten übernommen worden ist, bildet die Anathyrosis. Die Verbindung zwischen den Enden zweier Blöcke wurde bei diesem Verfahren nicht über die beiden Oberflächen insgesamt hergestellt, sondern nur mittels eines sorgfältig geglätteten vorstehenden Randes, der alle vier Kanten eines Quaders umsäumte. Der Fugenschluss ist mitunter haarfein, sodass sich, wie am Parthenon, kaum eine Messerschneide einführen lässt. Oft bestand, besonders im Festungsbau, dieses Mauerwerk nur aus zwei sorgfältig gefügten Schalen mit einer Füllung aus amorphem Material, z.B. Bruchstein ohne Mörtel, so genanntes Emplekton. Um dem Gefüge größere Festigkeit zu geben, ragten oft Steine der Schalenmauern (Binder) in die Füllung hinein. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. verbaute man so genannte Diatonoi-Steine (Bindersteine), die die Füllung durchstoßen und beide Mauerschalen wie Dübel miteinander verklammern. Wurde Hausteinmauerwerk im Festungs- oder Ingenieurbauwesen (Stützmauern u. a.) eingesetzt, so behielt die Schauseite des einzelnen Steines meist die rohe Form, wie sie der Steinbruch lieferte. Bisweilen glättete man sie oder versah sie mit einer senkrechten Riefelung. Die Kanten konnten abgeschrägt oder abgerundet sein, und der Spiegel kann sich unterschiedlich stark hervorwölben. Quadermauerwerk erhielt u. U. eine sehr sorgfältige Glättung, die sich aber auch auf die Blockränder beschränken konnte. Die effektvollere Behandlung der Ansichtsfläche (vorgewölbter Spiegel, abgerundete Kanten) ist typisch für die hellenistische Zeit. Im Monumentalbau (Tempel) wandten die Griechen eine sorgfältig ausgeführte Form des isodomenion - bei ionischen Bauten auch des pseudoisodomen - Gefüges an.

Die Architektur der klassischen Zeit zeigt eine erstaunliche Präzision des Steinschnittes. Die Qualität des Steines reicht von porösen Süßwasserkalksteinen (Poros) über festere Kalksteine bis zum Marmor des griechischen Pentelikon und der ionischen Inseln (z.B. Paros). Gegen Ende des hellenistischen Zeitalters drangen römische Baugepflogenheiten in den griechischen Raum ein. Römische Bautechnik konnte sich aber neben der traditionellen Haustein-Technik nicht durchsetzen. Im mörtellosen Quaderbau erreichte die tektonisch-plastische Gestaltungsweise der griechischen Architektur ihren Höhepunkt. Bau und Kunstform bildeten eine Einheit, die sich erst in hellenistischer Zeit langsam auflöste. Mörtel war bekannt, wurde aber nur ausnahmsweise im Wasserleitungsbau angewendet.

Römisches Mauerwerk:
Die verschiedenen Formen der im römischen Gebiet gebrauchten Mauerstrukturen werden in der Fachsprache mit dem Terminus „opus“, verbunden mit einem Beiwort (z.B. opus reticulatum), gekennzeichnet. Die primitiven, bis in prähistorische Zeit zurückreichenden Bauformen des opus craticium (Fachwerk) und des opus latericium (Mauer aus lufttrockenen Lehmziegeln) wurden für untergeordnete Bauaufgaben noch in historischer Zeit verwendet. Das römische Fachwerk bestand meist aus einem tragenden Holzgerüst sich rechtwinklig kreuzender Balken, dessen Gefache mit Massivstoffen (Bruchstein) ausgefüllt waren. Als Bindemittel wurde Lehmmörtel benutzt. Beim so genannten Steinfachwerk aus Kalksteinen sind nur die Holz- durch Steinbalken ersetzt (Pompeji, Casa della Fontana Grande u. a., Nordafrika, Timgad {Algerien; Douga). Diese Mauertechnik bot den Vorteil der Gewährleistung einer begrenzten Elastizität bei Erdbeben (Entstehung wahrscheinlich im phönikischen Kulturbereich).

Eine Sonderform ist auch das so genannte Wackengemäuer aus Flussgeschieben, entweder mit kleineren Quaderschichten verblendet (Aosta, augusteische Stadtmauer) oder im Wechsel mit Quader- oder Backsteinschichten (Verona, Amphitheater). Auch das von den Kelten übernommene opus gallicum trat im römischen Befestigungsbau auf (Saalburg, 2. Kastellbau). Opus siliceum ist ein Polygonalmauerwerk aus hartem Gestein in verschiedenen Spielarten, es fand sich besonders in Nord-Etrurien bei Stadtmauern, Substruktionen, Grabbauten u.a. Quadermauerwerk wurde auf italienischem Gebiet zuerst von Griechen und Etruskern aufgeführt. Römisches opus quadratum lässt die Sorgfalt griechischen Steinschnittes vermissen und wurde aus Quadern geschichtet (Servianische Mauer in Rom). Mechanische Bindemittel wie bleivergossene Klammern (auch Metallklammern, opus revinctum) und Dübel (Pons Cestius, Rom und Porta Nigra, Trier) waren bekannt. Die lokalen Rohstoffe für Quadermauerwerk waren anfangs leicht bearbeitbare vulkanische Tuffe, Travertin und später importierter und einheimischer Marmor (Inkrustationen). Als Sonderform entwickelte sich das Bossenmauerwerk (Rustika). Anfang des 3. Jahrhundert v. Chr. tauchte der Kalkmörtel aus natürlichen hydraulischen Bindemitteln in der Campagna (Umgebung Roms) auf, vermischt mit Steinmaterial auch als Kalkbeton (»Opus caementicum«); dieser entwickelte sich rasch zum wichtigsten römischen Baumaterial und verdrängte gegen Ende der Republik das reine Quadermauerwerk.

Mauerwerk aus Guss- und Stampfmasse ist bereits an griechischen Befestigungsanlagen nachweisbar (Akropolis von Nisyros u.a.). Unter Zusatz von vulkanischer Erde erhielt man hydraulischen Beton. Reines opus caementicum besaß keine Verkleidung aus anderem Material und wurde zwischen Holzverschalungen schichtenweise eingegossen und festgestampft (Fundamentbau und Gewölbe). Verbreiteter waren Futtermauern aus Quadermauerwerk oder Backsteinen. Das opus caementicum bestand aus ca. 10-15 cm starken Kalkmörtelschichten mit etwa gleichstarken Schichten kleiner Kieselsteine (fartura) bzw. verschiedengroßer Steinbrocken oder -splitter (caementa) im Wechsel, die sich beim Einstampfen durchdrangen. Ecken, Kanten und freistehende Pfeiler führte man aus Ziegeln oder Quadern aus.

Der Wechsel der Gestalt und Technik der Steinverkleidung im Laufe der Zeit stellt ein Mittel zur Datierung dar. In Gussgemengetechnik errichtetes Bruchsteinmauerwerk kommt in Verbindung mit Polygonalmauerwerk bereits um 300 v. Chr. vor (Alba Fuccens, Stadtmauer) und war in Pompeji anscheinend schon um die Mitte des 3. Jahrhundert v. Chr. gebräuchlich (älteste Bauphase des Fundamentes des Capitol, erste Bauphase der Villa dei Misteri), in Rom zuerst im 2. Jahrhundert v. Chr. bezeugt (Porticus Semilia, ca. 179 v. Chr., Concordia-Tempel, 121 v. Chr.).

Pseudo Reticulatum: Mit diesem in antiker Zeit nicht gebrauchten Ausdruck bezeichnet man den Übergang vom incertum zum Reticulatum. Typisch hierfür ist die stärker werdende Tendenz, die Steine an den Verkleidungen der Mauern und Fundamente netzförmig anzuordnen. Beispiele aus sullanischer Zeit in Pompeji (größere Teile des Amphitheaters und des Kleinen Theaters, Bäder am Forum).

Opus reticulatum: »Netzmauerwerk« mit einem aus Gussgemenge hergestellten Kern. Die zur Verkleidung der Außenseiten benutzten Steine oder Ziegel sind diagonal in der Weise verlegt, dass der Eindruck eines Netzes oder Rautenmusters entstand. Die einzelnen Steine wurden pyramiden- oder keilförmig zugeschnitten und mit ihrer quadratischen Basis (Seitenlänge 6-7 cm) nach außen verlegt. Bevorzugtes Material für die „Netzsteine“ war Tuff, da dieser sich leicht schneiden lässt, ferner Lava und Kalkstein. Das Reticulatum bekam leicht Risse, weil die Schrägen und Fugen den inneren Verband schwächten. Reines »Netzmauerwerk« wird erstmalig am Pompeius-Theater in Rom (55 v. Chr.) sichtbar, dann ist es in verschiedenen Entwicklungsstufen bis in hadrianische Zeit zu verfolgen. Gut erhaltene Beispiele u. a. in Rom (innere Betonverkleidung am Mausoleum des Augustus, 28 v. Chr.; Teile des hadrianischen Palastes bei den Horti Sallustiani; Villa des Gordian), Tivoli (größere Teile der Villa Hadriani) sowie in Pompeji und Umgebung. Unter Nero und den Flaviern wurde diese Mauertechnik an den öffentlichen Bauten Roms nicht angewendete, verstärkt jedoch wieder unter Trajan und Hadrian. Danach tritt sie nur noch sporadisch auf.

In Norditalien, Gallien und Spanien findet man im gleichen Zeitraum anstelle des Retikulates das »Opus vittatum« (eine Verkleidung aus kleinformatigen rechteckigen Tuffsteinen in horizontalen Schichten), z. B. in Fano, Triest, Nimes und Arles. Während der späten Kaiserzeit wurde es neben und in Verbindung mit Ziegelverkleidungen zu einer der wichtigsten Paramentformen in den westlichen Reichsteilen. Sein Weiterleben im frühen Mittelalter brachte ihm auch die Bezeichnung »sarazenisches Mauerwerk« ein.

Ein bedeutendes Baumaterial (neben dem Kalkbeton) ergab sich gegen Ende der Republik mit dem Brennen der bisher nur luftgetrockneten Lehmziegel zum Ziegel bzw. Backstein. Sie wurden überwiegend als Verkleidungsmaterial bei Kalkbetonmauern benutzt. Verwendet wurden entweder zugerichtete Dachziegel oder quadratische Ziegel, die für Mauerparamente (»Opus testaceum«) längs einer Diagonale zu Dreiecken zerteilt und mit einer Spitze nach innen vermauert wurden. Die Mörtelfugen wurden im Laufe der Zeit breiter. Seit der frühen Kaiserzeit wurde Backstein, in der Regel in horizontal-parallelen Schichtungen, zunehmend für Mauerverkleidungen, Futtermauern und Blendfassaden, seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. auch für reinen Backsteinbau benutzt (Rom: Amphitheatrum; Trier: Basilika, Kaiserthermen).

Opus vittatum. Mauerwerk, bei dem in bestimmten Abständen Lagen rechteckiger Ziegel als Binder die gesamte Mauerbreite einnahmen. Diese Art war in republikanischer Zeit noch unregelmäßig ausgebildet (Tivoli), stärker verbreitet in Umbrien, in guter Ausführung in Gallien bis in das 2. Jahrhundert n. Chr. heimisch.

Block-and-brick-Technik: Backstein und Werkstein (oder ziegelförmig behauener Bruchstein) in alternierenden Reihen. Pompejanisches Beispiel: Porta Ercolano, augusteisch (Säulen, Pfeiler und Mauerecken aus der Zeit der Wiederherstellung nach dem Erdbeben 63 n. Chr.). Seit Tiberius nahm das Ziegelmauerwerk in Rom eine führende Stellung ein. Unter Domitian tauchten gestempelte Ziegel auf mit der Angabe der Hersteller - oft auch des Besitzers der Tongrube und des Konsulardatums. Im 4. Jahrhundert ließ die Qualität des Ziegelmauerwerkes stark nach. Man verwandte in steigendem Maße altes Material wieder. Neben den einfachen Mauerziegeln brannten die Römer auch besonders Formsteine (Schmuckteile) und Spezialziegel für besondere Bauaufgaben (Hohlziegel für Hypokausten). Ziegelmauerwerk konnte auch mit opus vittatum, Retikulat und opus incertum gemischt werden. Derartige gemischte Strukturen bezeichnet man als »opus mixtum«, während »Opus spicatum« (so genanntes »Fischgrätenmauerwerk«) als Pflasterung, seltener in aufgehendem Mauerwerk vorkommt. Den mehrschichtigen Wandputz einschließlich der Stuckarbeiten wurde als »opus tectorium« beyeichnet. »Opus crustae marmoreae« oder »sectile marmoreum« steht für Inkrustationsarbeiten.

Die Mauertechnik der Provinzen wich entsprechend den Rohstoffverhältnissen und der bereits entwickelten Bautradition vom Bauwesen des ital. Kerngebietes ab. Für die Spätzeit ist allgemein ein Mauerwerk aus alternierenden Bruchstein- und Ziegelschichten typisch. In den östlichen Provinzen wirkte die Tradition des Hausteinbaues weiter. Quadermauerwerk finden wir auch in Südfrankreich und Nordafrika auf der Grundlage entsprechender Rohstofflager. Die römische Bautechnik entwickelte sich aus den Bedürfnissen fortgeschrittener städtischer Zivilisation. So war sie gezwungen, eine Synthese von neuentwickelten zweckgebundenen Techniken und tradierten tektonischen Schmuckformen zu finden. Ihre bedeutsamste Leistung ist die monumentale Raumarchitektur (Pantheon). Entscheidend war weniger die Erfindung von neuen Grundstoffen - Kalkmörtel und Ziegel waren schon vorher im Orient bekannt - als vielmehr ihre konsequente und rationale Nutzbarmachung für eine Baupraxis großen Stils.

Das römische Bauwerk besaß einen konstruktiven Kern, der vermittels entsprechender Dekoration (Bauornamentik, Inkrustation u. ä.) dem jeweiligen Bedeutungsinhalt angepasst wurde. Seit republikanischer Zeit wurden erst in Haustein, dann in Kalkbeton echte Wölbungen ausgeführt. Gewölbebauten großen Formates, konstruiert aus Backsteinrippen, die zusammen mit Kalkbetonfüllungen eine feste Schale bildeten, entstanden vor allem seit Trajan. Der hohe Stand der römischen Bautechnik und der von ihr ausgebildete Formenschatz übte auch nach dem Untergang des römischen Reiches einen nachhaltigen Einfluss auf die sich entwickelnde mittelalterliche - besonders die byzantinische - Architektur aus.

Nachantike Zeit. Die in ur- und frühgeschichtlicher, vorantiker und antiker Zeit entwickelten Arten des Mauerwerks fanden auch weiterhin Verwendung: Vollmauerwerk in Natur- oder Kunststein, Schalen- bzw. Hohlmauerwerk in Natur oder Kunststein, mit und ohne Schütt-, Stampf- oder Gussmassenfüllung bzw. -hinterfüllung; Mischmauerwerk (verkleidetes und verblendetes Mauerwerk, Steinfachwerk) in verschiedenen Naturstein-, verschiedenen Kunststeinarten oder in Natur- und Kunststein; mit nichtmineralischen Baustoffen (vor allem Holz) kombiniertes Mauerwerk; jeweils mit oder ohne Verbindungsmittel (Mörtel, Anker, Klammern, Dübel aus Stein, Holz oder Metall); roh, verputzt oder sonst wie zusätzlich verkleidet, jedoch mit regional und zeitlich unterschiedlicher technischer Sorgfalt und unterschiedlicher Bevorzugung je nach der Rohstofflage, nach dem Vorherrschen bestimmter Traditionen, nach der Wirksamkeit des antiken Erbes, je nach Bauaufgaben und in der Regel, ohne dass die technisch-konstruktive Perfektion der Antike übertroffen wurde.

Als unmittelbare Erben antiker Bautraditionen haben Byzantiner und durch sie vermittelt die Araber, soweit sie jenem Einfluss ausgesetzt waren, römische Techniken des Misch-, Schalen- und Ziegelmauerwerks angewendet. Weit verbreitet war das aus Bruchstücken und Formsteinen antiker Bauten errichtete Mischmauerwerk (Spolienmauerwerk), wobei Säulenbruchstücke vielfach in die aus kleinteiligem Material (unregelmäßiges Bruchsteinmauerwerk), auch als Schalenmauerwerk ausgeführten Konstruktionen eingefügt wurden - eine Technik, die vor allem in Mesopotamien und Syrien systematisch gepflegt wurde.

Mauerwerk nur aus zylindrisch gearbeiteten Werksteinen im reinen Binderverband heißt Rollmauerwerk, und seine Entstehung ist offenbar durch das Spolienmauerwerk angeregt worden. Unregelmäßiges Bruchsteinmauerwerk erhielt häufig waagerechte Holzverankerungen, die, zu Rosten verbunden und das sonst homogene Mauerwerk horizontal unterbrechend, charakteristisch für das kombinierte Mauerwerk sind, das Traditionen des Holz- und Steinbaus vereinigt (byzantinische Türme der Landmauer von Konstantinopel) und im Mittleren Osten, wohin manche Anzeichen für den Ursprung kombinierter Mauerwerkstechniken weisen, im Nahen Osten, in Nordafrika und Südosteuropa bis in das Mittelalter und in die Neuzeit hinein verwendet wurde.

In nördlichen und östlichen Gegenden, wo Holzbau und Holzerdbau vorherrschend gewesen war, fanden die komplizierten Mauerwerkstechniken nach der Völkerwanderung nur zögernd Eingang. Vorherrschend blieb zunächst das aus einteiligem Material bestehende Bruchsteinmauerwerk, stellenweise, wo direkter römischer Einfluss nicht bestanden hatte, in sehr minderwertiger Ausführung (Pfalz Tilleda, Vorhoftor). Nur ausnahmsweise und vor allem im Sakralbau fand das sorgfältige Quadermauerwerk Eingang (Aachen, Pfalzkapelle Karls d. Gr.), auch technisch-römische Erbschaft antretend. Durch römische Vermittlung war der Ziegel bekannt (die frühchristliche Baukunst Italiens war eine Backsteinkunst) und wurde gelegentlich wie auch das gegenüber dem Kunststein bevorzugte Bruchsteinmaterial für Mauerwerk mit phantastischen Zierverbänden verwendet (Köln, so genannter »Römer-Turm«, Ziegelmauerwerk).

In romanischer Zeit nimmt die technische Perfektion mit fortschreitender Produktivkraftentwicklung und Arbeitsteilung wieder zu und erreicht in den repräsentativen sakralen und profanen Hausteinbauten eine hohe Blüte. In der Regel wird das Schalenmauerwerk in Werk- und Bruchstein bevorzugt (Pfalz Tilleda, Kammertor), auch Werksteinmauerwerk als Schalenmauerwerk auf Ecken und Lisenen beschränkt (Steinfachwerk) und das übrige Mauerwerk als Vollmauerwerk in Bruchstein, gelegentlich verputzt, ausgeführt (Alpirsbach, Klosterkirche). Architekturteile bestanden im Natursteinbau aus sorgfältig geschnittenen Werksteinen. Vornehmlich im Wehrbau der staufischen Zeit gewann das Buckelquadermauerwerk weite Verbreitung, bei dem die in der Regel unterschiedlich großen Quader nur dreiseitig bearbeitet, ihre Sichtflächen in der natürlichen Bruchform belassen, höchstens mit Rand- oder Saumschlag versehen (Burg Kyffhäuser, so genannter Barbarossa-Turm) oder auch mit zu Bossen in regelmäßiger Rundung behauenen Buckeln (Bossenmauerwerk., Burg Trifels, Palas), zu Schalen- und Mischmauerwerk mit durchgehenden Lagerfugen und manchmal mit liegenden Holzverankerungen verarbeitet wurden.

Neben dem sorgfältigen Werksteinmauerwerk verbreitete sich das Ziegelmauerwerk (Backsteinmauerwerk) zunehmend, vor allem in Gegenden, wo Naturstein schwer zu beschaffen war (Klosterkirche zu Jerichow), gelegentlich gemischt mit Lesesteinen (Feldsteinmauerwerk). Gotisches Natursteinmauerwerk ist allgemein von schlechterer Qualität als romanisches, besteht aus unregelmäßigem kleinteiligem Material (besonders zahlreiche Stadtmauern), während andererseits die Technik des Steinschnitts im Sakralbau zur Vollendung geführt wird, aber auf Architekturteile beschränkt bleibt. in denen sich der mauerwerkslose Skelettbau (Kathedralgotik) erschöpft. Im Ziegelbau jedoch behält das Mauerwerk seine Bedeutung und wird zu hoher technischer Meisterschaft und ästhetischer Wirksamkeit geführt (Backsteingotik, Zierverbände)

Im romanischen und gotischen Mauerwerk wurden die Steine grundsätzlich in Mörtel (Kalk-, auch Gipsmörtel) versetzt. Die gesetzten, nicht gegossenen Mörtelfugen waren in romanischer Zeit dünner als in gotischer. In der Renaissance genießt das Mauerwerk allgemein wieder eine höhere Wertschätzung. In Italien waren antike Techniken nie ganz in Vergessenheit geraten. Hier wird während der Frührenaissance häufig das pseudoisodome Mauerwerk nach byzantinischen Traditionen verwendet (verschiedenfarbige Schichten, wobei in der Regel die dunklen niedriger sind). Während es bislang üblich war, das Mauerwerk in seiner vollen Dicke gleichzeitig zu errichten und es nur (wenn aus z.T. unmittelbaren ästhetischen Erwägungen erwünscht) nachträglich mit Platten, Putz oder Bemalung zu dekorieren, verbreitet sich nun in Oberitalien eine Technologie, bei der der Mauerkern in Bruch- oder Naturstein errichtet und die äußere Schale als Verblendung in Werkstein nachträglich in stehende Verzahnungen eingebunden wird - Mauerwerk, das Schalen- und verblendetes Mauerwerk gleichermaßen ist (Dorn zu Florenz).

Charakteristisch für den italienischen Profanbau ist das Bossenquadermauerwerk mit Bruchsteinhintermauerung mit seinen verfeinerten Abarten des Diamantquader- oder Facettenquadermauerwerks, gelegentlich mit bildhauerisch bearbeiteten Sicht- und Spiegelflächen. Die in der Regel gleichgroßen Quader der äußeren Schale werden häufig mit unterschiedlicher Sichtfläche so verbaut, dass eine Höhenstaffelung oder Trennung von Geschossen ästhetisch verdeutlich wird, wobei jedoch der Eindruck von Vollmauerwerk auch dort erweckt wird, wo es sich nur um Schalen- und Mischmauerwerk mit nach innen deutlich nachlassender technischer Sorgfalt handelt. In der italienischen Spätrenaissance wird das Quadermauerwerk auf die Ausbildung der Mauerecken beschränkt, das übrige Mauerwerk in minderwertigerem Bruchstein oder in Ziegeln, häufig glatt verputzt, ausgeführt und tendiert damit zum Steinfachwerk, wie es dann in der französischen und englischen Renaissance und während des Barocks bevorzugte Verwendung findet.

Im Hoch- und Spätbarock wird das Mauerwerk überhaupt gern verputzt, verkleidet und verblendet - teilweise mit Surrogaten (Marmorierung) und damit auf eine sorgfältige Behandlung, soweit sie nicht konstruktiv erforderlich ist, verzichtet, wobei andererseits die Kunst des Steinschnittes bei Architekturteilen in hoher Blüte bleibt, auch das sorgfältige rohe Ziegelmauerwerk gepflegt wird (Potsdam, ehemaliges Neues Palais, Marmorpalais). Erst im 19. Jh. leben die verschiedenen Mauerwerksarten wieder auf und werden den unterschiedlichsten Stiläußerungen dienstbar gemacht (rohes Ziegelmauerwerk als Klinkermauerwerk für Neugotik, Bossenmauerwerk und Steinfachwerk für Neurenaissance, glattes Quadermauerwerk für Neubarock), jedoch in rationellerer Technik in der Art des Verblendmauerwerks, des Mauerwerks mit Eisenankern, des Mauerwerks mit Gussmassenfüllung (Beton), wobei vielfach Surrogate auf Ziegel-, seltener auf Bruchsteinmauerwerk aufgebracht werden (z.B Putz in Form von Bossenmauerwerk auf Ziegelmauerwerk). Die Verbesserung der Schütt-, Stampf- und Gusstechnologie (Beton) kam zunächst auch dem Mauerwerk zugute (Mauerwerk aus Betonsteinen), führte dann im 20. Jahrhundert zu immer großformatigeren Kunststeinen, zu Blöcken, schließlich zu Großblöcken und zu Platten, bei deren ausschließlich Verwendung von Mauerwerk nicht mehr gesprochen werden kann (industrialisiertes Bauen).

Eine besondere Bedeutung erhielt Hohlmauerwerk in den 1920er Jahren als gelbes Klinkermauerwerk, in den 1930er Jahren als rotes Klinkermauerwerk durch Rationalisierungsversuche im Mauerbau. Natursteinmauerwerk wurde und wird fast ausschließlich nur noch für Verkleidungen verwendet. Die während und nach der Industrialisierung des Bauwesens als „traditionell“ bezeichneten Mauerwerkstechniken lebten in der DDR unter Einfluss der Trümmerverwertung im rohen, verputzten und verkleideten Ziegelmauerwerk in den 1950er Jahren nochmals auf, bis industrielle Baumethoden das Mauerwerk auf die Verwendung für Nebenkonstruktionen (Ausfachungen, Trennwände) und Verkleidungen sowie für untergeordnete Bauaufgaben beschränkt haben. Die jüngste Entwicklung innerstädtischen Bauens, besonders die Sanierung von Altstadtsubstanz, belebt die Tradition des Mauerwerkbaus.

Quelle (teilweise): Lexikon der Kunst, E.A. Seemann Verlag, Leipzig 2004

siehe auch:
- Adobe
- Binder
- Brick
- Formziegel
- Lagerfuge
- Maßordnung im Hochbau
- Mauerverband
- Mauerwerksverbände
- Maurer
- Natursteinmauerwerk
- Steinformate
- Trockenmauerwerk
- VD-Planziegel
- Verblender
- Ziegel