elkage.de
Suchbegriff eingeben:

Mönch und Nonne

Die Geschichte harter Bedachungsstoffe reicht bis ca. 1.000 v.Chr. zurück. Zu diesem Zeitpunkt kamen die ersten profilierten, harten Bedachungsstoffe zum Einsatz. Eine der ältesten, heutzutage sehr stark noch im Mittelmeerraum vorzufindende Art der Tonziegel, die bereits von den Römern und Griechen verwendet wurden, sind die Tegula-Ziegel, die erstmals im 12. Jahrhundert ihre Verbreitung in unseren Breitengraden fanden.

Aufgrund der langen geschichtlichen Entwicklung und der Verbreitung in Europa wurden und werden verschiedene Bezeichnungen für diese Dachziegel benutzt. Dies sind »Mönch-Nonne-Ziegel«, »Doppelschalenziegel«, »Klosterziegel« und »Coppi« oder »Coppiziegel« (italienisch). »Mönch und Nonne« sind zu den Schalenziegeln zählende Hohlziegel, bestehend aus dem Mönchziegel und dem Nonnenziegel. Mönch und Nonne zählen zu den ältesten uns bekannten Ziegelformen mit Ursprung im Mittelmeerraum. Bei der Eindeckung liegt ein Mönch über zwei Nonnen. Mönch und Nonne entwickelten sich aus den antiken Dachziegelformen, die aus den flachen Leistenziegeln (»Tegula«) oder flachgebogenen Schalen bestanden, deren Stoßstellen von halbkreisförmigen Deckziegeln (»Imbrex«) überwölbt wurden. Später wurden nur die gleichgeformten konischen Halbschalen verwendet und abwechslungsweise konkav und konvex übereinander gelegt, d.h. sowohl zur Abdeckung als auch als Rinne benutzt.

Die ursprüngliche Bezeichnung der Mönch und Nonne war »Haken und Preisen«, »hocken und preis«, wegen der Nase, dem Haken, den die mit der konkaven Seite nach oben verlegten Ziegel erhielten, um ein Abrutschen auf den in nördlichen Breiten notwenigen steileren Dächern zu verhindern, womit auch die Bezeichnung »Hakenziegel« zu erklären ist. Der Bezeichnung Preisen für den oben liegenden Deckziegel liegt die Bedeutung »einfassen« zugrunde.

Die Bezeichnung »Mönch und Nonne« kam erst später auf, wohl in ironischer Anspielung auf die Zustände in den damaligen Klöstern. Im schweizerdeutschen Raum entwickelte sich aus dem im 16. Jahrhundert üblichen »Obertach« die Bezeichnung Ober- und Unterdächler. Jüngeren Datums ist auch die Bezeichnung »Klosterziegel«, da Mönch und Nonne ursprünglich besonders bei kirchlichen Gebäuden auftraten. Dieses so genannte Klosterdach ist heute noch die am meisten verbreitete Dachart im südlichen Teil der romanischen Länder. Auch in Süddeutschland verbreitet, reicht das Verbreitungsgebiet bis in den Harz.

Das Mönch-und-Nonnendach oder Klosterdach wird wegen seiner wuchtigen, kräftigen Flächenwirkung durch die ausgesprochene Rippenwirkung des Flächenbildes immer wieder zur Gestaltung besonderer Gebäude herangezogen. Besondere Vorteile des Klosterdachs liegen in der raschen Wasserableitung, da die Dachfläche in einzelne Rinnen gegliedert ist. Das Wasser fließt am Mönch sehr rasch in die tiefen Mulden der Nonnen ab. Die betonte Rinne der Nonne bewirkt eine hohe Abflussgeschwindigkeit bei gleichzeitig großem Fassungsvermögen. Deshalb eignet sich diese Dachart auch bei hohem Niederschlag für geringe Dachneigungen.

Der Mönch und Nonne wurde früher von Hand geformt, heute jedoch meist maschinell hergestellt als Pressdachziegel, einfachere Formen auch als Strangdachziegel. Konstruktive Abwandlungen der Mönch und Nonne stellen der kombinierte Mönch-Nonne-Ziegel (d.h. Mönch und Nonne in einem Stück gepresst), die Mönchpfanne und die Klosterpfanne dar. Bei einer in Südfrankreich üblichen Deckungsart wurden auf die Sparren aufgelegte Lagerplatten als Unterlage für die Nonnen verwendet.

Die einzelnen Ziegel kann man sich als halbierte Hohlzylinder vorstellen, die an einer Seite konisch zulaufen. Diese Form der Ziegel wurde im mediterranen Raum besonders für die Klosterdeckung verwendet. Vielleicht stammte daher auch der Name, obwohl auch andere Interpretationen möglich sind. Denn eigentlich sollten Mönch und Nonne voneinander lassen. Als Ziegel liegen Mönch und Nonne jedoch geradezu ineinander verkeilt auf den Dächern. Die Nonne liegt unten und der Mönch wird als Abdeckung darüber gestülpt. Dabei wird der Mönch entweder in Mörtel oder mörtelfrei verlegt.

Die scheinbar einfache Mönch-Nonnen-Deckung erweist sich in der täglichen Praxis des Dachdeckers immer wieder als schwieriges, wenn nicht gar komplexes Terrain. Die Geometrie der Ziegel, deren technischen Möglichkeiten (Vermörtelung oder mörtellose Verlegung) werden von Objekt zu Objekt oft grundverschieden gesehen. Die Mönch-Nonnen-Deckung wird heute überwiegend im Denkmalschutzbereich eingesetzt, im Neubaubereich zumindest in nördlicheren Breiten Deutschlands eher weniger.

Auch der Biberschwanzziegel wurde in dieser Zeit entwickelt und verbreitet. Der Biberschwanzziegel lehnt sich heute wie damals sehr stark an die Form der bereits vor dieser Zeit verwendeten Holzschindeln an.

Heute wie damals wusste man von der leichten Formbarkeit des Tons und der Formbeständigkeit durch den Brennvorgang. Mit den verschiedenen Spielarten und Formen der Mönch und Nonne ließen sich vielfältige Dachformen gestalten. Seit dem 15. Jahrhundert produzieren holländische Unternehmen Hohl- und S-Pfannen aus gebranntem Ton, ein weiterer Schritt in die Formgebung von Dacheindeckungen. Schon oder erst seit 1844, also ca. 650 Jahre nach der Verbreitung des Mönch-Nonnen-Ziegels in Deutschland, wurden die ersten Zementdachplatten, Vorgänger der heutigen Betondachsteine, in Deutschland entwickelt und verlegt. Ihren Siegeszug traten sie dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts in England mit der Automatisierung der Herstellung an.

Es dauerte noch viele Jahre, bis dieser maschinell hergestellte Betondachstein als preisgünstiger Massenbaustoff nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Bedarf an Dachdeckungsmaterialien mit Tonziegeln kaum noch zu bewältigen war, in Deutschland angenommen wurde. Die Entwicklung der Frankfurter Pfanne durch Rudolf H. Braas 1954 war ein Startschuss in eine neue Ära der Dachdeckung.

siehe auch:
- Betondachsteine
- Biberschwanz
- Brick
- Coppiziegel
- Dominikalziegel
- Engobe
- Faserzementplatten
- Flachziegel
- Glasurziegel
- Holzschindeln
- Imbrex
- Klosterziegel
- Metalldächer
- Missionsziegel
- Schiefer
- Schilfrohr
- Tegula
- Ziegel