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Baulicher Brandschutz

Bei der Errichtung von Gebäuden dürfen nur Materialien verwendet werden, die einem eventuellen Brand eine bestimmte Zeitdauer widerstehen oder nur eine begrenzte Ausbreitung erlauben. Entsprechende Regelungen hierzu finden sich in den jeweiligen Landesbauordnungen sowie in DIN 4102. »Baulicher Brandschutz« umfasst alle Materialien und Maßnahmen, die dem vorbeugenden Schutz gegen Entstehungsbrände dienen. Er soll eine Ausbreitung des Feuers verhindern oder verzögern und somit den Funktionserhalt wichtiger Bauteile (Standsicherheit) oder von Informations- und Energieträgern sicherstellen. In erster Linie soll der vorbeugende bauliche Brandschutz dem Nutzer eines Gebäudes über einen definierten Zeitraum genügend Zeit verschafft werden, um die erforderlichen Evakuierungs- und Löschmaßnahmen einzuleiten. Der vorbeugende bauliche Brandschutz nach DIN 4102 (auch »Passiver Brandschutz« oder »Konstruktiver Brandschutz« genannt) ist die wirkungsvollste Maßnahme, um die Ausbreitung von Bränden zu verhindern oder zumindest eine gewisse Zeit zu verzögern.

Der bauliche Brandschutz wird unter Umständen auch vom Gebäudeversicherer prämienrelevant in Betracht gezogen, d.h. je größer das Risiko einer Brandentstehung, desto höher sind die Versicherungsprämien zu veranschlagen. Brände sind hauptsächlich auf menschliches oder technisches Versagen zurückzuführen, wie z.B.:

• Unachtsamkeit (z.B. beim Umgang mit Kindern, das Wegwerfen von glühenden Rauchwaren oder Glasflaschen, nach Alkohol- oder Drogengenuss, Müdigkeit oder Stress und daraus resultierende Unkonzentriertheit).
• Unkenntnis - sei es bei der Installation oder einfach nur der schlichte Umgang mit Materialien oder technischen Gerätschaften (z.B. bei Schweißarbeiten).
• Defekte Geräte oder schlechte Wartung.

Natürlich kann man auch eine vorsätzliche Brandstiftung nie ausschließen. Dunkelzifferwerte gehen davon aus, dass jeder 15. Brand in Deutschland durch eine so genannte „warme Sanierung“ erfolgt ist, d.h. dass Brände entweder selbst gelegt oder bei der Entdeckung gefördert wurden. Durch den baulichen Brandschutz, der in Fachkreisen auch als konstruktiver Brandschutz bezeichnet wird, soll sichergestellt werden, dass statisch tragende Bauteile nicht bereits kurz nach Ausbruch eines Brands ihre Tragfähigkeit verlieren und somit ein Betreten eines brennenden Bauwerks durch Rettungskräfte und Feuerwehr zu einem sehr hohen Risiko für diesen Personenkreis wird. Beispielweise wird bei Stahlbeton zur Erhöhung der Feuerwiderstandsdauer die Betonüberdeckung der Stahleinlagen (der Bewehrung) in Abhängigkeit von der Nutzung des Gebäudes vergrößert, um somit den Stahl vor zu schneller Erwärmung länger zu schützen, da insbesondere Stahl (jeder Betonstahl, alle Profilstähle, aber auch andere Metalle) die ungünstige Eigenschaft aufweist, bei bereits relativ niedrigen Temperaturen (ab ca. 500°C) erheblich und schlagartig an Tragfähigkeit zu verlieren („Versagen ohne Vorankündigung“). Holz dagegen weist eine im Brandfalle wesentlich günstigere Eigenschaft auf, obwohl es zwar brennbar ist, jedoch zum einen aufgrund seiner meist größeren Tragreserven (die Bemessungswerte liegen aufgrund des nicht homogenen Tragverhaltens des Baustoffs Holz deutlich unter den in der Regel erreichbaren Spannungen) und der Tatsache, dass brennendes Holz sein Versagen rechtzeitig ankündigt, indem es zuvor erst knistert und knackt und danach erst seine Tragfähigkeit vollständig verliert. Die Feuerwiderstandsdauer von Holz lässt sich also leicht durch Vergrößerung des statisch erforderlichen Querschnitts erhöhen.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, Holz (aber auch alle anderen statisch tragenden Bauteile) durch Gipskartonplatten oder Feuerschutzplatten so zu verkleiden, dass im Brandfalle eine entsprechende Feuerwiderstandsdauer erreicht wird. Inzwischen sind auch für bestimmte Einsatzzwecke zugelassene Spezialbeschichtungen verfügbar, die ähnlich wie Farbe auf die zu schützenden Bauteile aufgetragen werden und bei einem Brandereignis aufschäumen und so das Material für einige Zeit vor zu hohen Brandtemperaturen schützen. Merkmale des baulichen Brandschutzes sind

• Verhinderung der Brand- bzw. Rauchausbreitung in waagerechter und ganz besonders in senkrechter Richtung, da sich ein Brand am schnellsten nach oben ausbreitet. Wenn Müllabwurfeinrichtungen, Aufzugschächte, Kabel- und Rohrtrassen sowie Installationsschächte bzw. -kanäle durch Brandabschnittstrennungen geführt werden, müssen sie so gebaut sein, dass ein Übergreifen des Feuers verhindert wird,
• Erhaltung der statischen Tragfähigkeit von Gebäudeteilen im Brandfall über eine definierte Mindestzeit,
• Aufrechterhaltung der Funktion von sicherheitsrelevanten Leitungen (Notstromversorgung),
• Verhinderung des Temperaturanstieges und von Feuerdurchbrüchen,
• Schaffung und Erhaltung von Abständen,
• Bildung von Brandabschnitten durch brandbeständige Umfassungswände und Decken,
• Sicherung der Fluchtwege und Notausgänge, damit sie auch bei Brandeinwirkung benutzbar sind,
• Brandsichere Herstellung und Erhaltung von Feuerstätten und Kaminen,
• Errichtung von ordnungsgemäßen und geprüften Elektroanlagen,
Blitzschutz.

Alle diese Maßnahmen werden im Zuge der Tragwerksplanung und der Planung des baulichen bzw. konstruktiven Brandschutzes konzipiert unter Berücksichtigung der Anforderungen der Landesbauordnungen und der seit Jahren bewährten Norm DIN 4102, die demnächst durch eine (leider viel zu komplizierte) europäische Norm abgelöst werden soll.

Immer wieder kann man beobachten, dass dem Baulichen Brandschutz nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit gewidmet wird, obwohl dann im Ernstfall nicht nur das Geschrei groß ist, sondern bei Personenschäden auch der Staatsanwalt ermittelt! Deshalb lohnt es nicht, beim Brandschutz zu sparen. Es gibt drei Gründe, warum jedoch viele Eigentümer an der falschen Stelle sparen:

• Ungewollte Nachlässigkeit
Die Gefahren, die bei einem Brand entstehen, werden unterschätzt oder es sind gar keine Kenntnisse auf der Seite des verantwortlichen Eigentümers vorhanden. Dies kann auch auf eine mangelnde Unterrichtung oder Information des Eigentümers zurückgeführt werden, aber auch Desinteresse ist oft im Spiel. Im Falle eines Falles schützt Unwissenheit jedoch nicht vor Strafe!

• Unbewusste Nachlässigkeit
Der Eigentümer oder der Beauftragte für den Vorbeugenden und Konstruktiven Brandschutz hat sich an die Gefahren, die bei einem Brand entstehen können, durch andauernde Routine gewöhnt. Vielfach ist auch Betriebsblindheit im Spiel nach dem Motto: „Was soll denn hier überhaupt brennen?“ oder „Hier ist doch noch nie was passiert!“. Selbstüberschätzung kann ebenfalls eine Rolle spielen, ebenso wie falsche Vorstellungen über den Zusammenhang von Ursache und Wirkung.

• Bewusste Nachlässigkeit
Bei einer bewusst in Kauf genommenen Nachlässigkeit wird’s gefährlich, im strafrechtlichen Sinne spricht man auch von Vorsatz, der bestraft wird (wenn man das Brandereignis überlebt hat und für den Baulichen Brandschutz verantwortlich war). Brandschutzmaßnahmen werden vorsätzlich nicht geplant und/oder ausgeführt, in vollem Bewusstsein dessen, welche Folgen ein Brand haben kann. Leichtfertigkeit ist hier nicht im Spiel, sondern im günstigsten Falle Bequemlichkeit. Immer wieder kann man beispielsweise beobachten, dass Brand- oder Rauchschutztüren durch Keile oder ähnliches offen gehalten werden, der hierfür vorgesehene selbstschließende Mechanismus ist somit obsolet, obwohl dieser ja ausdrücklich dafür vorgesehen ist, die Tür geschlossen zu halten, damit weder Rauch- noch Brandgase überschlagen. Doch auch die Missachtung von Rauchverboten in entsprechend gefährdeten Gebäudeteilen zähl3en zu den bewussten Nachlässigkeiten.

siehe auch:
- Backdraft
- Betondeckung
- Blitze
- Blitzschutz
- Brandbekämpfungsabschnitt
- Feuerwiderstandsdauer
- Flashover
- Fluchtweg
- Hochfeuerbeständig
- Konstruktiver Brandschutz
- Rauchmelder
- Tragwerksplanung
- Vorbeugender Brandschutz
- Zweiter Rettungsweg