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Glasurziegel

Der Glasurziegel zählt zu den veredelten Tonziegeln. Aus Lehm, Ton oder tonigen Massen werden Rohlinge geformt und anschließend gebrannt. Ist der Glasurziegel fertig gebrannt, schwindet und reißt er nicht mehr, nimmt nur wenig Feuchtigkeit auf und gibt sie auch wieder ab. Mit der sehr glatten Oberflächenveredlung durch Glasuren werden die Ziegel sehr lange haltbar und resistent gegen Umwelteinflüsse. Einer Moosbildung, wie dies bei unglasierten Ziegeln oder bei Betondachsteinen der Fall ist, wird entgegengewirkt, da der Schmutz weniger gut anhaftet und damit die Nahrungsgrundlage für Moose und Algen fehlt. Die Glasuren sind bereits seit nahezu 5000 Jahren bekannt, als die ersten gebrannten Ziegel hergestellt worden sind und wohl eher durch Zufall glasartige Oberflächen aufgrund der Verwendung von quarzhaltigem Sand (beim Sandstrichziegel) mit entstanden.

 

Glasuren sind harte, glasartige, eingefärbte Überzüge, die die Oberfläche des Ziegelscherbens abdichten. Mit ihnen lässt sich in besonderer Weise die Oberflächenfarbe des Dachziegels verändern. Im Gegensatz zu den anderen Gestaltungsmöglichkeiten spielt der Lichtreflex eine zusätzliche Rolle. Die Glasuren enthalten in der Grundmasse Quarz, Kalk, Dolomit, Soda, Pottasche, Feldspat und Borax. Tongebende Pigmente sind Oxide des Vanadiums, Chroms, Mangans, Eisens, Kobalts, Nickels und Kupfers. Die Glasurmasse wird bei Temperaturen bis etwa 1600 °C gebrannt und anschließend zu feinem Pulver zermahlen. Mit Wasser versetzt, entsteht ein Glasurschlicker, mit dem die Oberflächen der getrockneten Ziegelformlinge vor dem Brand besprüht werden. Die Glasur wird gleichzeitig mit dem Dachziegel gebrannt.

 

Glasuren zeichnen sich dadurch aus, dass sie in verschiedenfarbigen Oberflächen hergestellt werden können, sie können aber auch transparent oder opak (deckend) sein. Vorzugsweise sind Glasuren aber glänzend, weniger häufig sind sie halbmatt oder gar matt. Werden Glasuren bis maximal 1000 °C gebrannt, dann sind sie vergleichsweise weich. Bei Brandtemperaturen von über 1200 °C sind die Oberflächen hart, die Glasur ist dann hoch schmelzend. Die unterschiedlichen Farben, die mit Glasuren erreicht werden können, sind in der Regel auf unterschiedliche chemische Zusammensetzungen der Glasurmasse zurückzuführen. Es werden daher Feldspat-, Salz- und bleihaltige Glasuren oder auch Borosilikatglasuren unterschieden. Allen Glasuren ist jedoch gemein, dass sie als Hauptbestandteil einen hohen Quarzsandanteil, d. h. Siliziumdioxid SiO2, aufweisen, der beim zweiten Brennvorgang zu Glas verschmilzt.

 

Die Rohglasur kann vor dem Hauptbrand des späteren Glasurziegels (meist Dachziegel, gelegentlich aber auch Mauerziegel) aufgetragen werden, wobei der Auftrag durch Pinseln, Spritzen, Tauchen oder Stempeln erfolgt und diese Masse dann während des Brennens des Ziegelscherbens zur glasartigen Oberfläche verschmilzt. Diese Rohmasse kann aber auch erst nach dem Hauptbrand aufgetragen werden, um dann in einem weiteren Brennprozess (der dann als Glattbrand bezeichnet wird) zur glasartigen Oberfläche zu verschmelzen, wobei die Temperaturen dann nicht mehr die Brenntemperaturen, die zum Brennen des Ziegelrohlings benötigt werden, erreichen.

 

Aber auch Steinsalz kann zur Herstellung von Glasuren verwendet werden, indem dieses beim Brennvorgang in das Feuer gegeben wird. Das dabei sich bildende Gas mit hohem Natriumoxidanteil überstreicht den Tonscherben, welches sich auf der Oberfläche des Ziegels niederschlägt und dort die oberflächennahe Schmelztemperatur absenkt. Auf diese Weise bildet sich auf dem Scherben eine Glasur. Diese traditionelle Art der Herstellung einer Glasur wird auch als Salzglasur bezeichnet. Die Lebensdauer von glasierten Tonziegeln wird mit mindestens 70 Jahren angesetzt.

 

Glasurziegel sind in vielen, teilweise auch sehr kräftigen Farben erhältlich. Eine mutige Farbwahl (z. B. ein kräftiges Blau) sollte daher mit der übrigen farblichen Hausgestaltung auf lange Sicht zusammenpassen und sich auch in die Umgebung einordnen. Es wird sicherlich als störend empfunden werden, wenn alle anderen Nachbargebäude ausschließlich rote oder rotbraune Dachziegel aufweisen und ein einzelnes Dach mit beispielsweise blauen oder kräftig grün gefärbten Ziegeln eingedeckt wird. In manchen Bebauungsplänen ist die Farbe der Dacheindeckung, gelegentlich auch das Material oder gar die Form, auch vorgeschrieben.

 

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